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"Secrets: Wen Emma hasste" von Daniela Pusch

Wen Emma hasste | Secrets #1 | Oetinger34, 2016 | 240 Seiten | 978-3-95882-061-6 | Deutsch

Emma, Kassy und Marie sind allerbeste Freundinnen. Aber Marie hat ein Geheimnis. Emma lügt. Kassy hat einen gefährlichen Feind. Bald sind Sommerferien. Danach geht Marie für ein Jahr nach Australien. Vorher wird es eine rauschende Abschiedsparty geben. Doch eine der drei wird die Nacht nicht überleben. (x)

MEINE GEDANKEN

Ich habe mich entschlossen einen Roman von Oetinger34 zu lesen, weil ich das Portal und seine Arbeitsweise sehr interessant finde und mich gefragt habe, wie es mit der Qualität der dort entstehenden Romane aussieht. Meine Wahl ist auf den ersten Band der „Secrets“-Reihe gefallen, „Wen Emma hasste“, einen kurzen Jugendbuchthriller von Daniela Pusch. Und ich kann sagen: Er hat mir besser gefallen, als erwartet. Den Titel finde ich ein bisschen irreführend, denn die Ich-Erzählerin Emma hasst eigentlich niemanden so richtig, und mit nur knapp 210 Seiten kommt der Roman auch sehr kurz daher, doch der Inhalt ist dann tatsächlich ein spannender, recht ungewöhnlicher Jugendbuchthriller, mit dem ich ein paar nette Stunden verbracht habe.

Ich-Erzählerin Emma fand ich eigentlich recht sympathisch. Zu Beginn der Geschichte steht ihre Freundschaft zu ihrer besten Freundin Marie auf der Kippe, weil Emma einen riesigen Fehler gemacht hat. Nicht so gut gefallen hat mir, wieso sie diesen Fehler begangen hat. Was sie ihrer anderen besten Freundin Kassy angetan hat, ist schon recht harter Tobak und, dass die Begründung dafür sehr fadenscheinig ist, fand ich ein bisschen schade. Es schimmert deutlich durch, dass die schüchterne, etwas dickere Emma auf ihre schlanken und selbstbewussten Freundinnen Marie und Kassy eifersüchtig ist und, dass sie Kassy deshalb so übel mitgespielt hat und noch dazu Marie nicht mit ihr teilen will, doch obwohl Emma deutlich bereut was sie getan hat, ein richtiger Grund oder Auslöser für ihre Tat wird nicht geliefert, weshalb ich Emma zwar gerade wegen ihrer vielen Fehler mochte, aber immer mit Vorbehalt. 

LÜGEN, MORD UND ANGLIZISMEN

Auch muss ich sagen, dass der Aufbau und die Handlung der „Secrets“-Reihe deutlich an die „Pretty Little Liars“-Bücher von Sara Shepard erinnern: Nach dem Tod der besten Freundin driften die zurückgebliebenen Freundinnen auseinander, haben riesige Geheimnisse voreinander und belügen sich gegenseitig. Dann wird klar, dass mit dem Tod der Freundin etwas nicht stimmt und es wird auf eigene Faust ermittelt, weil man niemandem die Wahrheit sagen kann. Kann man machen, klar. Ich habe das auch sehr gern gelesen, die Parallelen zu den Büchern von Shepard und ebenfalls zur TV-Serie sind mir aber deutlich aufgefallen, ganz besonders in den Flashbacks, aus denen man so einiges über die Freundinnen erfährt, und in den Figurenkonstellationen. Als billige Kopie würde ich „Secrets“ nicht bezeichnen, doch ich würde mich wundern, wenn die Parallelen bloßer Zufall wären.

Trotzdem macht es Spaß „Wen Emma hasste“ zu lesen. Der Krimi ist gut aufgebaut und auch tatsächlich nicht vorhersehbar, die einzelnen Hinweise werden gut eingestreut und am Ende sind genug Fragen offen, dass ich den zweiten Teil „Wem Marie vertraute“, diesmal von Elisabeth Denis geschrieben, unbedingt lesen möchte. Im Moment hält mich nur der Preis ab, den ich für rund 240 Seiten, von denen bestimmt wieder rund 30 Seiten Bonusmaterial und eine Leseprobe zu Band Drei sind, wie es beim ersten Band der Fall war, doch etwas hoch angesetzt finde. Das ist aber natürlich nicht die Schuld der Reihe an sich, allerdings überlegt man sich den Kauf dann doch zweimal, was auf Jugendliche, die eBooks meistens von ihrem mageren Taschengeld bezahlen müssen, wahrscheinlich noch eher zutrifft, als auf Leute mit eigenem Einkommen. Das nur am Rande.

Gut gefallen hat mir auch Daniela Puschs Schreibstil, der im Großen und Ganzen sehr präzise und ausgefeilt daherkam. Die schönen Beschreibungen des Hamburger Settings oder einzelner Räume und Personen, die nie überladen wirkten, haben sich allerdings ein wenig mit dem gewollt jugendlichen Jargon gebissen, der mir doch ein bisschen zu dick aufgetragen war. Wer sich an vielen Anglizismen, Modewörtern, die nächstes Jahr wahrscheinlich schon veraltet wirken werden und einer sehr umgangssprachlichen Erzählweise in Romanen stört, wird hier wahrscheinlich nicht glücklich werden. Da Emma gerade einmal fünfzehn Jahre alt ist, hat der gewollt jugendliche Stil natürlich schon gepasst, aber ein bisschen weniger wäre hier definitiv mehr gewesen. 

ZU KURZ, ZU OBERFLÄCHLICH

Darüber hinaus ist der Roman aber einfach zu kurz. Viel zu kurz. Da wäre besonders am Ende noch mehr gegangen, als sich die Ereignisse plötzlich überschlagen. Allerdings stört mich viel mehr, dass das Zwischenmenschliche auf der Strecke geblieben ist. Nicht nur erfahren wir nicht, wieso Emma Kassy so schlimm mitgespielt hat, wir erfahren auch viele andere Dinge über Emma nicht, die ich gern gewusst hätte. Wie steht Emma zum Beispiel dazu, dass ihre Eltern so streng sind? Emma ist fünfzehn, darf aber nicht mal Kaffee trinken oder länger als zehn Uhr wegbleiben. Das erwähnt sie immer wieder, aber ob es sie stört und es deswegen Spannungen gibt, erfahren wir nicht. Ihr Verhältnis zu ihrem Zwillingsbruder Daniel ist außerdem stark angespannt. Auch hier bleibt offen, wieso und seit wann das so ist und ob Emma das sehr stört, oder ob sie es so hinnimmt. Was ist mit dem Orchester, in dem Emma früher gespielt hat und mit Mareike, die eindeutig mit Emma befreundet sein will? Was wird daraus?

Vielleicht kommen die Antworten auf diese Fragen in einem späteren Band der Reihe, aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen, wie das aussehen sollte, denn die anderen beiden Bände werden nicht von Emma erzählt, sondern von Marie und Kassy, weshalb für Emmas Familienleben dort sicherlich kein Platz sein wird. Das finde ich eigentlich am Ärgerlichsten an der Kürze des Romans, denn das sind Fragen, die zwar angedeutet werden, aber einfach nicht geklärt, was den Roman etwas unrund und eben einfach viel zu kurz wirken lässt. Fünfzig oder sogar hundert Seiten mehr wären hier kein Beinbruch gewesen, hätten auch Raum gelassen, um Emmas Charakterentwicklung darzustellen, die ebenfalls nur angedeutet wird. So macht es zwar Spaß „Wen Emma hasste“ zu lesen, denn der Roman ist wirklich spannend und bietet ein interessantes Freundinnengespann und einen rätselhaften Todesfall an, aber er lässt einfach an Tiefe vermissen, weil so viel nur oberflächlich behandelt wird.

„Wen Emma hasste“ ist ein schöner Auftakt zu einer etwas anderen Jugendthrillerreihe, der, was den Krimianteil angeht, alles richtig macht und auch mit interessanten Figuren aufwartet, dann aber leider einfach zu kurz ist, um wirklich zu überzeugen, da sehr viel nur oberflächlich behandelt wird und man auf viele Fragen, besonders, wenn es um Emmas Familienleben geht, keine Antworten bekommt. Man bleibt dann leider etwas enttäuscht zurück, was mit ein paar mehr Seiten hätte vermieden werden können. Lesen kann man „Wen Emma hasste“ trotzdem sehr gut, man sollte nur nicht allzu viel erwarten. Ich würde den Roman jugendlichen und erwachsenen Thrillerfans ab 14 Jahren empfehlen, die mit derber Sprache und der Thematisierung von Drogen und Sex keine Probleme haben. Ich denke, der Roman könnte Fans von „Pretty Little Liars“ gut gefallen, da er in genau dieselbe Kerbe schlägt. Daher vergebe ich 3.5 Punkte für einen schonen JuBu-Thriller, der allerdings Luft nach oben lässt. Ich bin gespannt auf den nächsten Band!

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