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"Das Reich der sieben Höfe: Dornen und Rosen" von Sarah J. Maas

Dornen und Rosen | Das Reich der sieben Höfe #1 | dtv, 2017 | 978-3-423-76163-5 | 480 Seiten | Deutsch | Amerikanische OA: A Court of Thorns and Roses, 2015

Sie hat ein Leben genommen. Jetzt muss sie mit ihrem Herz dafür bezahlen. Die junge Jägerin Feyre wird in das sagenumwobene Reich der Fae entführt. Nichts ist dort, wie es scheint. Sicher ist nur eins: Sie muss einen Weg finden, um ihre Liebe zu retten. Oder ihre ganze Welt ist verloren. (x

MEINE GEDANKEN

Was ist denn mit Sarah J. Maas passiert, seit ich "Throne of Glass" gelesen habe? In ihrem Debutroman hat Maas uns eine tolle Heldin präsentiert, die sich echt anfühlte, sich durchzusetzen wusste und ein spannendes Abenteuer in einer interessanten Welt erlebt hat. "Throne of Glass" habe ich damals noch sehr gern gelesen. Ich habe das Buch geliebt. Zugegeben, ich habe die Reihe dann nicht weiterverfolgt, aber das eher aus Zeitgründen und, weil noch so viel anderes auf meinem SUB lag. "Das Reich der sieben Höfe" sah auf den ersten Blick noch viel interessanter aus, als "Throne of Glass". Es ist eine freie Nacherzählung von "Die Schöne und das Biest" und die märchenhafte düstere Atmosphäre hat mir sofort gut gefallen, als ich in den Roman reingelesen habe. Die Szene, in der Feyre den Wolf tötet, direkt am Anfang, war verdammt stark. Aber irgendwie ging es für mich dann nur noch abwärts mit dieser Geschichte.

FEYRE IST HALT EINFACH NICHT CELAENA

Ich hoffe, ich mache mich jetzt nicht unbeliebt, ich weiß ja, wie viele Leser diese Reihe lieben. Ich gehöre einfach leider nicht dazu. Mein größtes Problem war Feyre selbst. Wo Celaena in "Throne of Glass" ihren eigenen Kopf hatte und wusste, was sie will und nicht will, ist Feyre einfach nur irgendwie da. Nach der Szene mit dem Wolf bleibt sie passiv, lässt sich an den Hof verschleppen und tut auch da, was man ihr sagt. Die begabte Jägerin, die ihre Familie durchbringt, habe ich ihr da einfach überhaupt nicht abgenommen, denn sie hat sich nicht wie eine verhalten. Dazu kommt, dass Feyre auf andere Frauen am laufenden Bande herabschaut, was mich tierisch genervt hat. Feyre kann dies besser, Feyre kann das besser... ja, ich hab's ja verstanden. Sie verliebt sich dann auch ganz schwuppdiwupp ohne große Umschweife in Tamlin, den stets maskierten Lord des Hofes, an den er Feyre kurzerhand entführt, nachdem sie den Wolf getötet hat. Kann man so machen. Ist dann aber halt irgendwie nicht ganz überzeugend.

Klar ist es wahrscheinlich richtig schwer, glaubhaft zu beschreiben, wie sich ein Entführungsopfer in den Entführer verliebt, aber Maas' Herangehensweise fand ich einfach nicht besonders gut. Tamlin ist ein ziemlich lausiger Entführer, wenn ihr mich fragt. Erst will er Feyre töten - ein Leben für ein Leben - dann lässt er sich aber doch breitschlagen, einen Kompromiss einzugehen und bietet ihr an, sie am Leben zu lassen, wenn sie den Rest ihres Lebens bei ihm am Hof verbringt. Passt, denkt sich Feyre, und lässt sich mitnehmen. Kurz darauf behandelt Tamlin Feyre aber bereits wie eine Prinzessin, achtet darauf, dass es ihr gut geht und kompensiert sogar Feyres Familie für den Verlust, den Feyres Verschwinden hinterlässt. Auf der einen Seite soll er der grausame Feenlord sein, auf der anderen Seite ist er aber doch eher das Disneykuschelbiest, das Feyre nichts Böses will. Ich fand das merkwürdig inkonsequent. Da hat Maas es sich einfach sehr leicht gemacht. Sie verzuckergusst Feyres Entführung ganz schön, sodass Feyre eigentlich keinen Grund hat, Tamlin lange böse zu sein und da geht so viel Potential für spannende Konflikte zwischen den Figuren verloren.

Darüber hinaus passiert einfach leider nicht viel. Der Großteil des Romans wird von der Liebesgeschichte zwischen Feyre und Tamlin eingenommen, das sollte man vorher wissen. Große Action und Handlung wie in "Throne of Glass" gibt es nur ganz am Ende. An sich hätte ich das gar nicht schlimm gefunden, wenn die Liebesgeschichte für mich funktioniert hätte. Das fulminante und spannende Ende macht dann einiges wieder wett, aber die Handlung hätte ruhig ein ganzes Stück früher einsetzen dürfen, echt mal. Der gesamte Konflikt, der sich da am Ende auftut, wirkt irgendwie hinterhergeschoben und kommt mir zu spät. Genau wie in "Throne of Glass" ist aber der Weltenbau wirklich gelungen. Die Welt von "Das Reich der sieben Höfe" ist eine düstere und märchenhaft schöne Welt zugleich, voller interessanter Wesen, Feen und Gefahren, über die ich wirklich gern gelesen habe. Auch Sarah J. Maas' Schreibstil ist ein Highlight. Sie schreibt wunderbar dicht und malerisch und allein für den Stil habe ich das Buch genossen. Leider gab es da jedoch auch einiges, das ich absolut nicht gelungen fand und das waren wirklich keine Kleinigkeiten.

RAPE CULTURE AM FEENHOF

Ich finde absolut daneben, wie Sarah J. Maas das Moralempfinden der Feen beschreibt. Am Hof gibt es irgendwie so ein Fest, bei dem sich die Männer irgendeine Frau aussuchen dürfen, mit der sie Sex haben wollen. Die Frau hat dazu nichts zu sagen. Wenn sie nicht will, Pech gehabt. In unserer Welt nennt man das schlicht und einfach Vergewaltigung, in "Das Reich der sieben Höfe" ist es eine totale Ehre, ausgesucht zu werden und die Frauen reißen sich förmlich darum. Finde ich nicht gut. Echt nicht. Klar, dass Feen ein merkwürdiges und oft unmenschliches Moralempfinden haben, gehört irgendwie dazu. Aber das Feyre das einfach so akzeptiert, dass dem Roman einfach der Kommentar fehlt, dass das nicht in Ordnung ist, das geht einfach überhaupt nicht in einem Roman von 2017, den der Verlag ab 14 Jahren empfiehlt. Ein Fantasyroman wie dieser existiert ja nicht für sich allein. Er existiert in einer Welt, in der sexueller Missbrauch nach wie vor ein großes Thema ist und in der vielen Opfern eingeredet wird, sie seien ja irgendwie selbst Schuld.

Genau das passiert auch hier: Feyre ist selbst Schuld, dass sie beinahe vergewaltigt wird. Man hat ihr ja schließlich gesagt, was das für ein Fest ist und, dass sie bitte schön in ihrem Zimmer bleiben soll. Das klingt für mich einfach viel zu sehr nach: "Wenn du nicht vergewaltigt werden willst, darfst du halt im Dunkeln nicht alleine rausgehen!" Feyre akzeptiert das auch einfach so. Passt, denkt sie sich mal wieder und verschwendet keinen Gedanken daran, ob es wirklich so eine tolle Sache ist, dass sich die Männer auf dem Fest einfach irgendeine Frau aussuchen dürfen, die da zufällig gerade vorbei kommt. Unser Held Tamlin kann sich auch kaum beherrschen und schickt Feyre, nachdem er sie vor der sicheren Vergewaltigung rettet, zurück auf ihr Zimmer, bevor er sich noch vergisst. Das alte Klischee, dass Männer sich einfach nicht beherrschen können und Frauen das ja wissen müssen und selbst Schuld sind, wenn sie vor den Männern nicht schnell genug weglaufen (Eine Feenarmlänge Abstand bitte!), haben wir hier dann also auch noch bedient, schön. Das muss einfach nicht sein. Nicht in einem Jugendbuch, nicht in einem New-Adult-Buch, einfach überhaupt nicht.

Klar kann man jetzt sagen: "Aber Kat, es ist ja doch ein Fantasyroman und die Feen sind halt so und im Kontext der Welt kann man das doch hinnehmen." Ja, klar, kann man. Kann man dann als Autorin aber auch so negativ darstellen, wie es ist, anstatt den Lesern noch reinzudrücken, dass die Frauen es als Ehre verstehen "auserwählt" zu werden und, dass es voll romantisch ist, dass Tamlin am liebsten über Feyre herfallen würde, sich aber zurückhält, weil sie es nicht will. Das ist nicht romantisch, das ist auch keine große Geste, dass ist einfach ganz normales anständiges Verhalten, aber davon verstehen Feen anscheinend herzlich wenig. Aber Feyre als Mensch, die in der Menschenwelt aufgewachsen ist, sollte etwas davon verstehen. Tut sie aber nicht. Maas' Umgang mit dieser gesamten Szene und der Thematik ist in meinen Augen verantwortungslos und ich finde das ganze Konzept einfach unnötig für den Roman. Man kann sich dann auch mal durch den Kopf gehen lassen, wieso es wieder nur die Männer sind, für die diese Regelung auf dem Fest gilt. Warum Männer wieder die wilden Biester sind, die sich nicht zurückhalten können und Frauen einmal mehr die Opfer dieser Ungestümtheit, die es als Ehre zu verstehen haben, auserwählt zu werden.

Das geht über Feenmoral in einem Fantasyroman einfach hinaus und spielt in uralte gesellschaftliche Probleme hinein und ich frage mich einfach, wieso immer wieder Fantasywelten erschaffen werden, in denen genau dieselben veralteten Rollenbilder und Probleme existieren, wie in unserer echten Welt. Diese ganze Feenwelt in "Das Reich der sieben Höfe" ist frei erfunden. Niemand hat Sarah J. Maas gezwungen, diskriminierende Gesellschaftsmuster aus unserer Welt romantisiert in diese Fantasywelt einzubinden, getan hat sie es trotzdem. Finde ich einfach super schade. Dass Feen ein eigenes makabres Moralverständnis haben, dass sie anders denken als Menschen und grausam sein können, kann man auch anders zeigen. Das haben vor Sarah J. Maas schon ganz andere AutorInnen deutlich weniger problematisch und sehr viel verantwortungsvoller ihren jungen Lesern gegenüber hinbekommen. Aber mal zurück zum Text: Feyre verliebt sich also, um das nochmal zusammenzufassen, in einen Feenmann, der sie herumkommandiert, in seinem Palast gefangen hält, beinahe vergewaltigt und wie ein kuscheliges Haustier behandelt. Und da stehe ich einfach nicht drauf, tut mir Leid. Ich finde das nicht okay.

DIE SCHÖNE UND DER SCHÖNE

Generell ist "Das Reich der sieben Höfe" einfach wieder so ein Roman: Die unglaublich schöne Heldin trifft auf den unglaublich schönen Helden, der alles für sie tun würde, aber dennoch ganz schlecht für sie ist und dann verlieben sie sich halt. Das habe ich mittlerweile so oft gelesen in den letzten zehn Jahren, es interessiert mich nicht einmal mehr peripher. Mehr als diese konstruierte Liebesgeschichte hat "Das Reich der sieben Höfe" am Ende auch nicht wirklich zu bieten. Es gibt eine unglaublich schön beschriebene interessante Fantasywelt in diesem Roman, aber das Potential dieser Welt wird nicht genutzt. Die Figuren sind schön, aber bleiben blass. Und dazu kommt halt dieser absolut bescheidene Umgang mit sexuellem Missbrauch. Für mich ist "Das Reich der sieben Höfe" daher leider ein Flop gewesen. Ein ziemlicher sogar. Dass der Roman von der Autorin stammt, die "Throne of Glass" geschrieben hat, merkt man nur am schönen Schreibstil und der interessanten Welt. Ich werde die Reihe nicht weiterlesen und Sarah J. Maas nach dieser Enttäuschung dann auch zu den Akten legen. Ich vergebe 1.5 Punkte für Idee und Schreibstil, aber für mehr reicht es dann leider wirklich nicht.


Weitere Meinungen:

Krähe und Kraken | Kritische Auseinandersetzung

Nadine von Epilogues | 2,5 Punkte

Fairytales | 3 Punkte

Seitenwandler | Ein positiverer Blick auf das Buch

Kommentare

  1. Halleluja! Ich habe dem Buch damals noch drei Sterne gegeben, ist aber knapp an zwei vorbei... Die erste Hälfte hatte mit sogar noch ganz gut gefallen, aber nach Calanmai hätte ich im Strahl kotzen können! Und Rhysand... uah! Wie man den auch nur mögen kann ist mir ein absolutes Rätsel! Dieser Sexist! Bäääh! Pfui! - Für diese Reihe werde ich kein Geld mehr ausgeben. Ich liebe ToG, auch wenn das ebenfalls problematische Themen beinhaltet, aber "Dornen und Rosen" hat mich einfach nur maßlos enttäuscht und dieser Sexismus... Args.

    Ich bin wirklich froh, dass du es ganz genauso siehst und das muss dir auch nicht leid tun!

    LG
    Hanna

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    1. Bin ganz bei dir! Ach, mir tut es immer ein bisschen Leid, wenn ich ein Buch nicht mag, besonders, wenn so viele Leute es lieben. Aber ich kann es ja nicht ändern. ^^

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  2. Vielen Dank für deinen gelungenen Beitrag. Ich kenne das Buch noch nicht, aber ich muss sagen, dass ich die sexuelle Gewalt, die du ansprichst, auch sehr kritisch sehe. Gerade, wenn das eher romantisch dargestellt oder verharmlost wird. Die Heldinnen und Helden in Büchern haben ja oft eine Vorbildfunktion und prägen uns.
    Liebe Grüße,
    Cari

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