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"Lovesong" von Sophia Bennett

Lovesong | Chicken House, 2017 | 978-3-551-52091-3 | 432 Seiten | Deutsch | Britischer OT: Love Song, 2016

Warum alle so verrückt nach The Point sind, ist Nina ein Rätsel. Doch als sie ihre kleine Schwester zu einem Meet-and-Greet begleitet und dabei die Verlobte des Sängers rettet, wird sie prompt deren neue Assistentin. Plötzlich tourt Nina mit den vier begehrtesten Jungs aller Zeiten um die Welt – und sieht, wer sie wirklich sind. Die angesagte Band steht kurz vor der Trennung und ausgerechnet Nina soll das verhindern! Aber viel schwerer fällt ihr das, was sie für unmöglich gehalten hat: Sie darf sich auf keinen Fall in einen der Jungs verlieben. (x)

MEINE GEDANKEN

Ich mag solche Bücher ja. Bücher über Stars, Musiker, das Jetsetleben, besonders, wenn sie sich nicht allzu ernst nehmen. Und so ein Buch ist Sophia Bennetts "Lovesong", aber es ist noch viel mehr. Im Mittelpunkt steht nämlich gar nicht The Point, die angesagteste Boyband, die es je gegeben hat, sondern Nina selbst, die Ich-Erzählerin. Ich liebe Nina, wirklich. So eine tolle facettenreiche Heldin erlebt man im Jugendbuch selten, ganz besonders nicht in YA-Romances. Nina ist alles andere als perfekt und sie schleppt sich mit einer hässlichen Vergangenheit herum, hat in ihrem Leben bereits so einige Fehler gemacht und macht im Verlauf des Romans noch einige mehr, aber genau das macht sie so liebenswert. Nina will weder selbst berühmt sein, noch kann sie The Point viel abgewinnen und das fand ich total erfrischend. Die meisten Heldinnen in Büchern, die im Starmilieu spielen, wollen nämlich selbst berühmt werden und sind meistens auch so übermäßig toll und talentiert, dass sie ihr Ziel sofort erreichen und das hängt mir irgendwie zum Hals raus.

TEENIEMÄDCHEN UND ROCKNROLL

Aber Nina will mit dem ganzen Zeug eigentlich gar nichts zu tun haben. Als sie das Angebot erhält, mit The Point als Assistentin von Sigrid, der Freundin des Leadsängers Jamie, zu touren, nimmt sie nicht an, weil sie auf die Band steht, sondern, weil sich ihr hier eine unglaubliche Chance bietet, die Welt zu sehen. Zu unglaublich, wenn ich ehrlich sein soll. Mit dem Anfang hatte ich ein paar Probleme, eben weil die ganze Prämisse so aus dem Hut gezaubert wird: Nina begleitet ihre kleine Schwester Ariel zu einem Meet and Greet mit The Point, bei dem sie zufällig Topmodel Sigrid das Leben rettet. Sigrid ist so begeistert von ihr, dass sie veranlasst, dass Nina ihre neue Assistentin wird. Ja, okay. Kann man so machen, muss ich dann aber nicht glaubhaft finden. Gott sei Dank verwindet der Roman seinen etwas schwachen Anfang aber direkt und dann kommt man nicht mehr davon los.

Lovesong ist ein bisschen eine Liebeserklärung an den guten alten RocknRoll, an Musik und an Teeniemädchen. Junge Mädchen, die für Stars schwärmen, sind gerne mal das Ziel von Spott und gemeinen Angriffen, weil Menschen aus mir unerfindlichen Gründen lächerlich und peinlich finden, wenn junge Mädchen sich leidenschaftlich für etwas interessieren. Dabei ist es einfach so, dass besonders Bands wie The Point, die stark an One Direction oder 5SOS erinnern, ihren Erfolg einzig und allein diesen Teeniemädchen verdanken, denn die kaufen die Musik, das Merchandise und die Konzertkarten, oder? Und Sophia Bennett scheint das genauso zu sehen, denn in "Lovesong" sind Teeniemädchen keine doofen nervigen Fans, die immer nur stören, sondern sie sind das, was sie eben sind: Das eigentliche Standbein von The Point, der Grund, warum die Jungs Musik machen dürfen. Und The Point sind ihren weiblichen Fans dankbar, erkennen an, dass sie ohne sie nichts wären, und das hat mich so richtig glücklich gemacht. 

Denn im wahren Leben hört man von zum Beispiel 5SOS, einer der im Moment angesagtesten Boybands, nur Abfälliges über die Mädchen, die den Erfolg möglich gemacht haben. Da ist man erst eine "echte Band", wenn auch Männer die Musik gut finden und "just for girls" will man ja auch nicht sein, wo käme man denn da hin! Weibliche Fans, besonders jugendliche Mädchen, werden von den Bands, die sie groß gemacht haben, oft mal einfach gar nicht wertgeschätzt und sogar als störend empfunden und "Die Mädels sind doch nur hier, wiel der Sänger heiß ist, die verstehen Musik doch gar nicht" und oft möchte man sich dezent in den Ärmel übergeben, wenn man Leute so reden hört. Sophia Bennett spielt dieses Spiel aber einfach nicht mit. Sie hat halt irgendwie kapiert, dass auch jugendliche Mädchen Musik verstehen und gutfinden können, dass sie eben nicht nur da sind, weil ein Sänger gut aussieht, dass ihre Unterstützung und ihr Fansein ebenso etwas wert ist, wie die Unterstützung und das Fansein eines männlichen Fans. Das ist leider nicht selbstverständlich, aber umso schöner, dass Sophia Bennett in diesem Roman für Teeniemädchen ebenjene so sehr feiert und ihnen das Gefühl gibt, dass auch sie ein Anrecht auf Musik und Fansein haben. Schön.

LOVESONG? NICHT NUR!

Die eigentliche Liebesgeschichte hätte ich allerdings nicht vermisst, wenn sie nicht dagewesen wäre. Und ihr jetzt so: "Warte mal, Kat, das ist doch Romance? Wieso liest du Romance, wenn du..." Ja, nee. Ich mag Liebesgeschichten und ich wusste, dass "Lovesong" eine sein würde, mir gefällt nur nicht so ganz, wie die Romanze umgesetzt ist. Ich hatte gehofft, dass Nina sich für einen anderen Jungen entscheidet, als sie es am Ende tut und generell kam mir die Romanze viel zu überstürzt vor und irgendwie ins Buch gequetscht. Das soll aber nicht heißen, dass Nina und ihr Auserwählter keine Chemie haben, denn die haben sie umbedingt. Sophia Bennett schreibt ganz tolle Figuren, die alle ihre Ecken und Kanten haben, an denen Nina sich stößt und man selbst als Leser auch, aber gerade das macht sie so überzeugend und großteils liebenswert.

"Lovesong" steckt voller echter Emotionen. Ich habe es oft, besonders bei Young Adult, dass mich die Gefühle, die der Roman vermitteln will, einfach nicht erreichen. Ich dachte ehrlich gesagt schon, ich wäre da ein bisschen verroht, weil ich viel lese und vielleicht einfach keine Zeit habe, jedes einzelne Buch auch emotional auf mich wirken zu lassen, aber "Lovesong" hat mich total erwischt. Sophia Bennett macht nicht den Fehler, jedes Gefühl seitenlang zu beschreiben, bis es totgeredet ist - sie zeigt es einfach. Ninas Schmerz über eine unschöne Trennung zum Beispiel, aber auch die Liebe von The Point zur Musik und zu dem, was sie tun, waren auf jeder Seite spürbar, so spürbar, dass es mich beinahe umgehauen hat. Auch Ninas kleine Schwester Ariel, der wohl größte The-Point-Fan Englands, hat mich da unglaublich mitgenommen. Ariels Entwicklung, ihre Gefühle und ihre ganze Geschichte sind ergreifend und authentisch erzählt, obwohl Ariel nur eine Nebenfigur ist. Die Schwesternbeziehung zwischen ihr und Nina fand ich toll zu lesen, es hat sich einfach so echt angefühlt.

Überhaupt ist "Lovesong" nicht unbedingt ein typischer Romanceroman für Jugendliche. Es ist außerdem ein Abenteuerroman und ein Roman, der ganz unbedingt eine Liebeserklärung an Musik, an das Fansein und an den RocknRoll ist. Dass Sophia Bennett Musik und den Rockstarlifestyle liebt ist kein Geheimnis, viele ihrer Romane spielen in diesem Milieu, und "Lovesong" spiegelt das sehr gut wieder. Zusammen mit Nina kann man diese Welt entdecken und einen Blick hinter die Kulissen werfen, doch gleichzeitig quillt die Liebe zur Musik über Ariel, aber auch über die Jungs von The Point von jeder Seite, wobei Bennett die Perspektiven von Fans und von Musikern gleichermaßen beleuchtet. Dabei kommt ein wunderschöner leichter Jugendroman heraus, der aber auch schwerere Thematiken durchaus zu beleuchten weiß und mit Nina nicht nur eine tolle facettenreiche Heldin aufweist, sondern mit The Point auch eine Boyband voller Liebe zur Musik und internen Konflikten, die es zu lösen gilt. Die Faszination RocknRoll ist natürlich nicht neu, doch Sophia Bennetts Blick auf das Phänomen liest sich originell und lockerflockig, was "Lovesong" zu einem absoluten Juwel des Genres macht.

Kommentare

  1. Hey Kat!
    Wow, eine so tolle und lange Rezension ohne einen Spoiler. Da bekomme ich ja beim Lesen gleich selbst ein Gefühl für das Buch. Solche Band-Bücher sind ja eigentlich nicht so mein Fall, aber vielleicht sollte ich hierfür einmal eine Ausnahme machen.

    Dein Bogdesign ist übrigen auch sehr schön. Wirkt sehr ansprechend auf mich. Du hast eine neue Leserin :)

    Grüße Isbel

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    1. "Lovesong" ist echt kein typisches Bandbuch. :D Ich bin gespannt, wie du es findest, falls du es liest. Und natürlich danke!

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