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"Die unsichtbare Bibliothek" von Genevieve Cogman

Die unsichtbare Bibliothek | Unsichtbare Bibliothek #1 | Bastei Lübbe, 2015 | 978-3-404-20786-2 | 429 Seiten | Deutsch | Britische OA: The Invisible Library, 2015 | Abgebrochen nach ca. 50%

Die unsichtbare Bibliothek – ein Ort jenseits von Raum und Zeit und ein Tor zu den unterschiedlichsten Welten. Hier werden einzigartige Bücher gesammelt und erforscht, nachdem Bibliothekare im Außendienst sie beschafft haben. Irene Winters ist eine von ihnen. Ihr aktueller Auftrag führt sie in ein viktorianisches London, wo eine seltene Version der Grimm’schen Märchen aufgetaucht ist. Doch was als einfacher Einsatz beginnt, wird nur allzu schnell ein tödliches Abenteuer, denn Irene ist nicht die Einzige, die hinter dem Buch her ist. Und die anderen Interessenten gehen über Leichen, um zu bekommen, was sie wollen ... (x)

MEINE GEDANKEN

Ich breche Bücher ungern ab, aber manchmal ist mir meine Zeit einfach zu schade. Und bei "Die unsichtbare Bibliothek" war genau das der Fall. Das hier ist ein ganz klassischer Fall von It's not you, it's me, weshalb ich mich bei der Wertung enthalte, aber mir hat der Roman überhaupt nicht gefallen. Das lag vor allem daran, dass er sich wie die massenproduzierte romantische Fantasy liest, die zwischen 2005 und 2010 den Markt überschwemmt hat und ich damit noch nie etwas anfangen konnte. Der Klappentext klingt interessant, keine Frage, sonst hätte ich das Buch ja nicht gekauft. Aber leider verfließt alles, was im Klappentext so spannend klingt, im Roman dann unnötig. "Die unsichtbare Bibliothek" ist langatmig, meiner Meinung nach schlecht durchdacht und absolut verwirrend und das nicht auf die unterhaltsame Weise. Es ist ein bisschen, als hätte jemand Crossover-Fanfiction zu Doctor Who und Gail Carrigers "Soulless" schreiben wollen, was an sich absolut nichts Schlimmes ist, aber dann auch nicht veröffentlicht zwischen zwei Buchdeckel gehört. Ich werde schon wieder gemein, ich merk's selbst.  Ganz ehrlich, der Roman ist bestimmt nicht schlecht, wenn man diese Art von Roman mag. Ich mag sie aber nicht.

DER UNLESBARE SCHREIBSTIL

Der Erzählstil allein hat mich auf die Palme gebracht. Er ist genau diese Mischung aus von oben herab und gewollt sarkastisch, der ich einfach nichts abgewinnen kann. Als würde sich der Erzähler am laufenden Band schmunzelnd über den Leser lustig machen und dazu halt so pseudo-clever, aber eben nicht wirklich. Das ist ein Stil, den ich bisher eher aus älterer Romantasy gewohnt bin und da hätte er meiner Meinung auch bleiben sollen, denn irgendwas an dieser Art zu schreiben macht mich richtig kirre. Vielleicht, weil es sich so umständlich liest oder, weil es jeden einzelnen Satz ausdehnt wie Kaugummi, wenn alles so kompliziert wie möglich umschrieben wird und dann am Besten noch irgendwas in Klammern steht. Boah, ich hasse Klammern in Romanen so sehr. Und dann eben diese Möchtegernironie, die einfach nicht clever ist, sondern nur extrem nervig. Ja, ich hab ein Problem, okay? Und das ist sicherlich total subjektiv, aber irgendwas am Stil hat mich hier richtig passiv-aggressiv gemacht und das spricht nie dafür, ein Buch weiterzulesen. 

Die Figuren waren auch einfach nicht mein Bier. Irene fand ich am Anfang noch in Ordnung, bis sie sich dann zur typischen Spezialistin, die alles kann und alles weiß entwickelte und das ist für mich nie ein guter Look an einer Heldin. Und dann natürlich Kai, Irenes neuer Auszubildender. Oooah. Kai wirkte auch irgendwie total Romantasy 2007 auf mich. Er ist natürlich unglaublich schön, so schön, dass Irene direkt denkt, dass es niemand verdient hat ihn zu daten, weil er einfach so schön ist, und dann wird er als unnatürlich blass beschrieben, mit schwarzen Haaren, die er natürlich lang und geflochten trägt, und seine Augen sind natürlich stahlblau. Einfach richtig fesch, der Typ. Und ich dachte, die perfekten Love Interests sind in der Urban Fantasy 2010 endlich ausgestorben. Anscheinend nicht. Schade. Ich kann es einfach nicht anders beschreiben, alles an diesem Buch wirkte irgendwie altbacken auf mich und mich hat der Verdacht beschlichen, dass Cogman den Roman vielleicht einfach vor zehn Jahren im Stil der damals so beliebten Romantasy geschrieben hat. Kann ja sein. Falls nicht hat sie zumindest alles dran gelegt, es sich so anfühlen zu lassen, wirklich.

Es gibt dann nämlich natürlich auch Steampunk, der auch damals kurz richtig beliebt wurde. Denn in "Die unsichtbare Bibliothek" reicht es nicht, dass die Bibliothekare durch die Zeit reisen können, um wertvolle Bücher zu retten, es gibt von allen möglichen Epochen auch noch dutzende alternative Kopien, in denen immer irgendwas anders ist. Parallelwelten sind auch nicht mein Ding! Noch so eine Sache, weshalb es eben mein Problem ist, dass ich "Die unsichtbare Bibliothek" nicht mochte und nicht das Problem vom Buch. Aber gut, die Parallelwelt, mit der sich der Roman am meisten befasst, ist... ein paralleles viktorianisches London voller Klischeesteampunk. Ach Mann. Ich traue es mich ja fast nicht zu sagen, aber: Ich mag keinen Steampunk, besonders nicht, wenn er so klischeebelastet daherkommt, wie hier. Steampunk ist ein visuelles Genre, das in Romanform für mich absolut nicht funktioniert und ich bin regelrecht allergisch gegen Steampunkwelten, in denen sich das Steampunkelement großteils dadurch auszeichnet, dass ein paar Zeppeline rumfliegen. Das ist für mich einfach dieses Lied in Buchform und das macht mir keinen Spaß. Steampunk kann richtig spannend sein, aber eben nicht, wenn man sich nur ganz vage an die Ästhetik hält und den Rest halt irgendwie hinschludert, passt schon. 

DER VOLLGESTOPFTE PLOT

Mir ist hier auch einfach zu viel los. Cogman schmeißt jedes Fabelwesen, das ihr so eingefallen ist, in den Roman, bis man den Überblick verliert. Vampire, Werwölfe, Zombies, Drachen, Magier... Und es hat auch irgendwie nicht so wirklich einen Sinn. Hauptsache das Zeug ist halt im Buch. Manchmal ist weniger einfach wirklich mehr und das hier ist unbedingt so ein Fall. Es passiert so viel, man muss sich als Leser so viel merken, das auch oft nicht richtig erklärt wird, und das hat zumindest mir den Spaß am Buch verdorben. Mal ehrlich: Das Buch möchte eine Geschichte über eine magische Bibliothek sein, die außerhalb von Zeit und Raum existiert und in der Bibliothekare arbeiten, die seltene Bücher aus der Vergangenheit und aus Parallelwelten besorgen. Das ist cool und das hätte mir zumindest vollkommen gereicht. Was haben alle möglichen Fabelwesen, merkwürdige Chaostheorien und halbgare Krimiplots da jetzt drin verloren? Nichts. Einfach nichts halt. Hätte Cogman sich darauf konzentriert, dass Irene und Kai ein seltenes Buch aus diesem viktorianischen London besorgen müssen, hinter dem auch andere Parteien her sind... das hätte was werden können. Aber die Handlung wird von allem möglichen Zierwerk komplett verwaschen. 

Es ist alles einfach ein bisschen zu gut gemeint. Alles ein bisschen zu viel. Zu viele Elemente in der Handlung, die sie aufschwemmen und ungenießbar machen, die Figuren sind alle ein bisschen zu sehr over the top, als das ich sie ernstnehmen und liebgewinnen könnte, der Schreibstil ist ein bisschen zu gewollt locker, clever und deshalb einfach sperrig und unschön zu lesen. Alles an diesem Roman wirkt irgendwie aufgesetzt und gelinde gesagt fake. Bücher machen mir dann am meisten Spaß, wenn sie mir erlauben, in ihre Welten einzutauchen und alles echt und natürlich wirkt und genau das kann "Die unsichtbare Bibliothek" nicht. Dieses Aufgesetzte wird schnell zu einer Grenze zwischen Leser und Geschichte und verhindert, dass man wirklich eintaucht und das ist echt so schade, aber das ist genau das, was hier passiert. Ich hatte imense Probleme mich wirklich auf das Buch einzulassen, weil ich keine Chance bekommen habe, wirklich einzutauchen. Und hier muss ich einfach nochmal auf den Stil zurückkommen, denn der ist absolut schuld daran. Die Dialoge wirken unnatürlich hölzern und dadurch, dass Cogman wirklich jeden Satz unnötig kompliziert, lesen sich auch die Actionszenen sehr statisch und nicht wirklich flüssig und das macht einfach keinen Spaß.

Es gibt an "Die unsichtbare Bibliothek" einfach nichts, das mich wirklich reizt. Die Sprache ist holprig und wirkt künstlich, der Weltenbau ist zu voll und zu chaotisch, als dass ich ihn genießen könnte, die Figuren sind zweidimensional und uninteressant, die eigentliche Geschichte ist vorhersehbar und daher nicht besonders spannend. "Die unsichtbare Bibliothek" ist die Art Buch, die ich weglege, weil ich zwischendurch was anderes lesen will, und dann vergesse. Einfach meh. Nicht mein Ding und ja, das ist mein Problem. Aber für mich hat "Die unsichtbare Bibliothek" nicht funktioniert. Ich habe mich nie gefühlt, als hätte ich wirklich Zugang zu der Geschichte und das ist einfach wirklich fatal. Also ja, ich hab's abgebrochen und ich finde es auch schade. Die Idee hinter diesem Roman gefällt mir. Aber die Umsetzung ist meiner Meinung nach eine Katastrophe und dann kann man auch nicht mehr viel retten. Da sehr viele meiner Kritikpunkte an "Die unsichtbare Bibliothek" aber sehr subjektiv sind, würde ich sagen, ich empfehle den Roman jedem, der mit den von mir genannten Sachen keinerlei Probleme hat. Für Leser, die einen ähnlichen Geschmack haben wie ich, dürfte der Roman aber eher enttäuschend ausfallen. Trotzdem, versucht es damit, falls ihr Lust habt!

Kommentare

  1. Hey :)
    ich finds sehr schade, dass du dieses Buch abgebrochen hast, weil es dir nicht gefallen hat. Toll find ich aber, dass du eine gute Rezension dazu gibts, trotz deines Abbrechens.
    Deine Beschreibungen haben Hand und Fuß und finde ich verständlich und nachvollziehbar.
    Ich hab das Buch auch noch im Schrank stehen und werde ihm demnächst dann auch mal eine Chance geben und bin gespannt, wie es mir dann gefällt :)

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