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"Goddess of Poison: Tödliche Berührung" von Melinda Salisbury

Goddess of Poison: Tödliche Berührung | Goddess of Poison #1 |  Bloomoon, 2016 | 978-3-8458-1513-8 | 352 Seiten | Deutsch | Britische OA: The Sin Eater's Daughter, 2015

Die siebzehnjährige Twylla ist kein Mädchen wie jedes andere: Sie ist die Verkörperung der Großen Göttin und wird als solche im ganzen Land verehrt - außerdem ist es ihr bestimmt, einmal den Kronprinzen zu heiraten. Doch ihr göttliches Schicksal bringt auch eine schreckliche Verpflichtung mit sich: Jeden Monat muss sie tödliches Gift trinken, gegen das nur sie, als göttliche Inkarnation, immun ist. Doch jeder, der Twylla berührt, wird von dem Gift infiziert und stirbt. (x)

MEINE GEDANKEN

Dieses Buch ist bemerkenswert uninspiriert. Ich wollte es auch erst gar nicht lesen, echt nicht. Der Klappentext sagt mir durchaus zu, kickt mich aber auch nicht so sehr, dass ich das Buch unbedingt haben musste. Aber dann haben einige meiner Goodreadsfreunde das Buch gelesen und gemocht und ich hatte eine lange Reise vor mir und im Endeffekt habe ich es mir dann doch auf den Reader geladen. Leider war mein erster Verdacht richtig, so wenig mir das auch selbst gefällt. "Goddess of Poison" ist einfach durch und durch unoriginell, irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes und schon gar nichts, das ich persönlich lesenswert finde. Es ist ein Fantasyroman ohne das besondere Etwas und zumindest für mich deshalb schnarchlangweilig. Ich hatte ständig das Gefühl, das Buch schon einmal gelesen zu haben, denn alles kommt einem bereits bekannt vor. Es ist einfach diese Art von Buch, das aus einigen interessanten Versatzstücken zusammengebastelt ist, aber am Ende keins davon wirklich zur Geltung bringen kann. Das große Problem ist nämlich, dass "Goddess of Poison" einfach keinen Plot hat. Hier passiert nix. Wir folgen Protagonistin Twylla durch ihren - zugegeben ungewöhnlichen - Alltag, dann verliebt sie sich und dann ist es irgendwann vorbei. Plot? Ham wa nich, brauchn wa nich... oder so. 

ES WIRD NICHT ORIGINELLER, WENN MAN DIE BUCHSTABEN VERTAUSCHT

Ihr wisst ja bestimmt schon, dass ich guten Weltenbau sehr mag. Ich lese Fantasy großteils einfach dafür, neue Welten und ihre Konventionen kennenzulernen und, wenn bei einem Roman der Weltenbau nicht stimmt, bin ich meistens direkt raus. Das Problem besteht auch hier, denn genau wie der Rest ist die Welt, in der "Goddess of Poison" spielt, einfach irgendwie unoriginell. "Goddess of Poison" wirft uns in eine dieser pseudomittelalterlichen Welten und die finde ich einfach langweilig. In den letzten Jahren hat die YA-Fantasy sehr schöne und detailreich gestaltete Fantasywelten hervorgebracht und vielleicht erwarte ich deshalb mittlerweile einfach zu viel, aber "Goddess of Poison" kann mit Welten wie Leigh Bardugos Grischa-Universum oder selbst Kendare Blakes dunklem Inselkönigreich einfach nicht mithalten. Nicht einmal ansatzsweise. Die Welt von "Goddess of Poison" passt einfach hinten und vorne nicht zusammen. In Fantasywelten darf man machen, was einem gefällt, klar, aber es sollte dann doch eine schlüssige Welt ergeben und kein Mischmasch, das sich selbst widerspricht, wie es hier passiert ist.

Die Figuren haben alle ganz normale englische und skandinavische Namen, die bunt durcheinander gewürfelt sind, was zumindest für mich nicht viel Sinn ergibt, weil hier keine einheitliche Kultur zu erkennen ist. Um das ganze etwas "origineller" zu machen, wurden bei den Namen dann ganz einfach ein paar Buchstaben verdreht... Aus einer ganz normalen englischen Twilla wird also Twylla, aus Leif wird Lief, aus Rolf wird ein Rulf, dann gibt es einen Tyrek, den ich sowieso nirgendwo einordnen kann... Natürlich kann man sich, wenn man Welten baut, bei echten Kulturen bedienen und auch ein bisschen mischen, aber das sollte dann doch auch zumindest etwas Sinn ergeben, oder? Die Welt von "Goddess of Poison" kennt einfach keine Integrität, es passt nichts zusammen und deshalb wirkt die Welt auf mich unecht und hölzern und es hat keinen Spaß gemacht, über sie zu lesen. Sie ist halt am Ende nur eine Kulisse und mir persönlich reicht das bei Fantasy nicht unbedingt. Kulisse kann jeder. Einfach alles in einen Topf schmeißen und umrühren kann auch jeder. Eine in sich Sinn ergebende, interessante Welt erschaffen kann aber nicht jeder, aber das ist genau das, was Fantasy für mich so reizvoll macht. 

Fatal war dann, dass die gesamte Backstory dieser Welt für mich genauso wenig Sinn ergeben hat, wie der Rest des Weltenbaus. Von der Mythologie habe ich mich ehrlich gesagt ein bisschen aufs Korn genommen gefühlt. Es gibt einen Sonnengott und eine Mondgöttin und sie heißen... Daeg und Naeht. Ehrlich? Das sind einfach die altenglischen Wörter für day und night... Ich meine, das kann ich auch, ehrlich. Was hat sich Salisbury hier gedacht, dass ihre Leser eh zu dumm sind, um zu bemerken, dass sie ihre Götter einfach Tag und Nacht genannt hat? Wie ich oben bereits geschrieben habe: Alles an diesem Roman ist uninspiriert und unoriginell, kreativ geht anders. Es geht dann halt so weiter und es macht einfach keinen Spaß. Natürlich ist der männliche Sonnengott dann auch der gute reine Gott und die weibliche Mondgöttin ist böse und hinterlistig und sowieso für alles Leid auf der Welt verantwortlich... Ja, okay. Generell gibt es in "Goddess of Poison" auffällig viele böse Frauenfiguren. Die kaltherzige Königin, an deren Hof Twylla lebt, ist ein weiteres Beispiel, während Twylla die meisten Männer als gutherzig und hilfsbereit wahrnimmt. Ich meine...Ja. Okay. 

Der Schreibstil passt dann tatsächlich perfekt zu dieser 0815-Fantasywelt, denn er ist bemüht altmodisch und wirkt sowas von konstruiert, dass es beinahe weh tut. Mir hat ganz gut gefallen, dass der Roman aus Twyllas Ich-Perspektive erzählt ist, aber Salisbury schreibt ihre Stimme einfach nicht konsequent. Manchmal konstruiert altmodisch, manchmal beinahe schon modern. Natürlich zählen die Figuren Zeit dann auch nicht in Jahren und Monaten, sondern in Ernten und Monden, was wahrscheinlich unterstreichen soll, wie ye olde timey und mittelalterlich diese Welt ist. Ehrlich gesagt? Noch pseudo-mittelalterlicher und ja, alberner, kann man in High Fantasy gar nicht sein. Und Melinda Salisbury ist dabei auch noch absolut nicht konsequent, denn Twylla kennt das Konzept von Tagen und Stunden, aber nicht das von Jahren und Monaten. Das ergibt doch einfach null Sinn. Wieso versucht Salisbury ihre Leser hier immer wieder für dumm zu verkaufen? Alles ist total simpel, total generisch und schon hundert Mal dagewesen und wird präsentiert, als würde das schon keiner mitkriegen, wenn man halt hier mal einen Buchstaben ändert und da veraltete Wörter benutzt, um es altmodischer klingen zu lassen. Ja, doch, ich hab's gemerkt. Und ich find's unkreativ. 

PFERDESTREICHELN IST KEIN PLOT

Von der Handlung selbst war ich leider auch mehr als enttäuscht, denn sie war großteils nonexistent und wirkte darüber hinaus einfach total konstruiert. Twylla ist also die Henkerin des Schlosses, weil sie die wiedergeborene Göttin Daunen ist und mit einer einzigen Berührung töten kann. Fand ich eine coole Idee, echt. Leider wird das einfach so unnötig überkompliziert abgehandelt, dass es am Ende wieder einmal keinen Sinn ergibt. Twylla muss in regelmäßigen Abständen Gift trinken, weil sie als einzige dagegen immun ist. Durch das Gift in ihrem Blut wird allerdings ihre Berührung tödlich. Davon war ich ehrlich gesagt einfach nur mega enttäuscht. Im Klappentext oben steht das so drin, daher danke an den Bloomoonverlag für eine klare Ansage, denn der Klappentext der englischen Ausgabe lässt es so wirken, als wäre Twyllas Berührung von Geburt an tödlich und sie könnte nichts dagegen tun - was ich ehrlich gesagt hundert Mal interessanter gefunden hätte, als das hier. Twylla ist die ganze Zeit am Rumgreinen, dass sie keine Menschen berühren kann und so einsam deswegen ist, aber das Problem wäre sofort gelöst, wenn sie aufhören würde, das Gift zu trinken. Ja, darf sie nicht, weil böse Königin und so, aber die Lösung für Twyllas Problem ist trotzdem lächerlich einfach und der ganze Konflikt an den Haaren herbeigezogen.

Wieso Twylla die Henkerin spielen muss, verstehe ich auch absolut nicht. Falls das einen religiösen Hintergrund hat, hat der Roman ihn entweder verschwiegen oder so verschwurbelt erklärt, dass ich nicht mitgekommen bin. Aber generell... Wir haben hier die von allen gefürchtete Wiedergeburt einer Göttin, die von einer Königin gezwungen wird, ständig Gift zu trinken, damit sie als Henkerin die zum Tode Verurteilten mit ihrer Berührung vergiften kann... bin ich wieder zu kritisch, oder ist das total haarsträubend und unnötig kompliziert? Selbst, wenn das eine rituelle Praktik ist. Wer kommt denn auf sowas? Echt mal? Es wäre für alle Beteiligten sehr viel leichter und weniger aufwendig, die Gefangenen einfach direkt zu vergiften. Aber nein, dann gibt es ja keinen Konflikt mehr für Twylla, die natürlich nicht töten will, aber muss und deshalb ganz unglücklich ist. Nicht, dass sie nach der Tat lange darüber nachdenkt, ne. Selbst, als ihr bester Freund durch ihre Hand stirbt, ist das nach ein paar Seiten gegessen und Twylla ist wieder nur mit sich selbst beschäftigt. Überhaupt erfahren wir sehr wenig darüber, was es mit einer Siebzehnjährigen anstellt, niemals andere Menschen berühren zu dürfen und zum Töten gezwungen zu werden, was ich auch schade fand. 

Twylla ist dann die ganze Zeit am Jammern, dass niemand sie je lieben wird, weil sie giftig ist (was, wie gesagt, nur eine Sache auf Zeit ist, weil es weggeht, wenn sie aufhört Gift zu trinken...) und dann erfahren wir, dass sie seit Jahren mit Kronprinz Merek verlobt ist, weil sie als Göttin ein Anrecht darauf hat, ihn zu heiraten. (Ich habe mich hier auch mehrmals gefragt, wieso die Wiedergeburt einer Göttin und die zukünftige Kronprinzessin so schlecht behandelt wird. Man würde doch meinen, so ein Mädchen wäre bei Hof anerkannt und würde nicht als Henkerin gehalten werden, aber okay...) Ich meine, wer 0815-Liebesgeschichten mag und gern seitenlang darüber liest, wie Figuren miteinander rummachen und sich grämen, weil sie gerade Mal nicht zusammen sein dürfen, für den könnte "Goddess of Poison" etwas sein und das will ich auch gar nicht verurteilen. Ich habe aber eine actionreiche Fantasygeschichte erwartet. Die Handlung ist sehr schnell zusammengefasst: Twylla tötet ein paar Verbrecher, streichelt ein paar Pferde, weil die gegen ihr Gift immun sind und ist dann seitenlang zwischen Prinz Merek und dem Wächter Lief hin und hergerissen, bevor das Buch mit einem kleinen Knall endet. Handlung? Ist einfach nicht. Zugegeben, der Plottwist am Ende war ganz cool und ich habe ihn auch nicht kommen sehen. Aber ein guter Twist auf den letzten paar Seiten rettet kein Buch, das 300 Seiten komplett ohne Handlung gefahren ist. Dann ist es eher schade um den coolen Twist.

Der Roman ist auch leider voller Logiklücken, über die ich nur schwer hinwegsehen konnte. Mal ehrlich... Twilla ist die Braut des Kronprinzen und eine verehrte Göttin, aber es kommt niemand auf die Idee, ihr einfach ein Paar Handschuhe anzufertigen, mit dem sie andere Menschen berühren kann? Es wird einfach hingenommen, dass die zukünftige Königin und große Göttin halt allein vor sich hin vegetiert, weil ihre Haut giftig ist? Solche offensichtlichen Lücken kommen besonders in der zweiten Hälfte des Romans immer wieder vor. Dazu kommt, wie absolut lächerlich böse die böse Königin ist. An ihr ist nichts Gutes und sie erinnert ein bisschen an die Herzkönigin aus "Alice im Wunderland". Wer auch nur einen winzigen Fehler macht, wird direkt getötet oder es werden ihm oder ihr Körperteile abgeschlagen. Die Königin ist drakonisch, eiskalt und abgrundtief böse und aus irgendwelchen Gründen macht ihr Königreich das einfach mit. So funktionieren Gesellschaften aber nicht. Wenn ein Volk gar nichts Positives von seinem Herrscher bekommt, lehnt es sich auf. Nicht so hier natürlich, Alle leben einfach in Angst und nehmen die Grausamkeiten der Königin hin. Mann, Mann, Mann... 

Am Ende war "Goddess of Poison" für mich leider eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Es gibt keine richtige Handlung außer der uninspirierten Liebesgeschichte, die Probleme wirken alle an den Haaren herbeigezogen und sind auch einfach sehr leicht lösbar, der Schreibstil liest sich sehr gewollt altmodisch und inkonsistent und die Welt ist eine 0815-Mittelalterwelt und einfach sehr unoriginell. Um "Goddess of Poison" gab es einen kleinen Hype, den ich einfach nicht nachvollziehen kann. Der Roman kann mit anderer YA-Fantasy absolut nicht mithalten und wer sich aufregende Jugendbuchfantasy mit Liebesgeschichte wünscht, ist bei Leigh Bardugo oder Kendare Blake sehr viel besser aufgehoben. Am Ende hat "Goddess of Poison" bei mir einen bitteren Geschmack im Mund zurückgelassen, es hat mich einfach so sehr gelangweilt. Wohlwollend sehe ich eigentlich nur den einigermaßen aufregenden Twist am Ende und, weil ich Büchern, die mir nicht gefallen haben, über die ich mich aber auch nicht ärgern musste, generell ungern seine LeserInnen abspreche, würde ich nicht sagen, dass ich das Buch Fans des Genres nicht empfehlen würde. Meins war es aber nicht. Von Melinda Salisbury werde ich so schnell kein weiteres Buch lesen und für mich war dieser Roman leider ein Fehlgriff. Das mag für andere LeserInnen aber ganz anders aussehen.

Kommentare

  1. "Bemerkenswert uninspiriert" - autsch und Lacher zugleich! Ein wirklich gute und fundierte Rezension, in der du klar aufzeigst, warum dich das Buch nicht begeistern konnte. Vom Cover und Titel her hätte es mich schon angesprochen, doch der Klappentext macht deutlich das es keine Geschichte für mich ist - aber ich scheine hier ja auch nichts zu verpassen ;)

    Gute Nacht!
    Janna

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    1. Danke! Wenn es eh nicht deins ist, dann lass es aus. Sonst hätte ich gesagt, probier es ruhig damit. :D

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  2. Hallo :)
    eine sehr ausführliche Rezension! Band 1 war wirklich etwas langatmig und Twylla sowas von nervig. Ich kann völlig nachvollziehen warum dich das Buch nicht überzeugt hat.
    Ich habe dann auch Band 2 gelesen und war überrascht, weil Band 2 ganz anders und um Längen besser ist, wenn auch noch nicht perfekt.
    Ich hab dich mal verlinkt :)

    LG

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