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Teegedanken: Wieso ich ein glücklicher Nanowrimo-Loser bin

Foto: Thought Catalog
Diesen November ging eigentlich alles schief, was schiefgehen konnte. Es war einmal mehr Nano - National Novel Writing Month, in dem AutorInnen aus aller Welt versuchen, 50.000 Wörter in einem Monat an einem Roman zu schreiben. Letztes Jahr habe ich gewonnen und so die erste Hälfte für einen Jugendbuchthriller geschrieben, auf den ich immer noch sehr stolz bin. Dieses Jahr habe ich nicht gewonnen. Ich habe mir zwei Projekte vorgenommen und insgesamt rund 40.000 Wörter geschrieben. Das ist nicht so viel, wie letztes Jahr. Ich bin auch an keinem der beiden Projekte so weit gekommen, wie letztes Jahr. Und trotzdem bin ich dieses Jahr irgendwie zufriedener. Ich habe lange gerätselt, woran das liegt, denn wirklich viel Ergebnis kann ich dieses Jahr nicht vorlegen. Ich habe das erste Viertel an meinem historischen Roman geschrieben und ein paar Kapitel an einem weiteren Thriller. Die beiden Projekte gesellen sich damit zu fünf weiteren begonnenen Projekten, die auf Fertigstellung warten. Keines ist so weit gekommen, wie der Roman letztes Jahr, der dann auch im Frühjahr diesen Jahres seinen Abschluss gefunden hat. Ich werde noch einiges an Zeit in die Projekte stecken müssen und ich habe auch kein hübsches Nanosiegerbanner bekommen. Also... warum bin ich trotzdem so zufrieden?

WRITER LIFE CRISIS - ICH UND MEIN BUCH

Um dieses Portrait meines Nanowrimo 2017 vollständig zu machen, hier erst einmal noch ein paar Fakten zu den vier Wochen, die jetzt Gott sei Dank hinter mir liegen. Der Nano ist für mich nicht nur ein Schreibmonat, sondern auch ein Lesemonat. Lesen inspiriert und ist ein toller Ausgleich zu einem harten Schreibtag, weshalb ich im November für gewöhnlich besonders viel lese. Dieses Jahr nicht, denn pünktlich kurz vorm ersten November ist mein eReader kaputt gegangen. Ich stand fast komplett ohne Bücher da, denn ich bin für mein Austauschsemester im Moment in Norwegen und habe mich aus Gepäcksgründen auf meine elektronische Bibliothek verlassen. Die einzigen Bücher, die ich gedruckt hier habe, sind Oscar Wildes "The Picture of Dorian Gray" und Mackenzi Lees "Cavaliersreise" und so abgöttisch ich beide Romane liebe, ich wollte sie dann doch nicht einen Monat lang immer im Wechsel lesen. Ich bin dann auf Hörbücher und ???-Hörspiele umgestiegen, aber es war einfach nicht dasselbe, obwohl man sich auf Justus, Peter und Bob für kurzweilige Unterhaltung echt verlassen kann. (Deshalb im Moment auch die Rezensionsflaute hier auf dem Blog. Ein Hörbuch zu beenden dauert bei mir immer bedeutend länger, als ein Buch zu lesen.) Meine Inspirations- und Entspannungsquelle wurde mir diesen Nano also gleich zu Anfang ohne Mitleid genommen.

Schreiben wollte ich trotzdem. Und ich habe geschrieben. Neben der Prüfungsphase, die hier an der Universität Bergen natürlich in die letzten beiden Novemberwochen fiel. Und so gern ich schreibe, die Prüfungsvorbereitung ging natürlich vor und es gab einige Tage, an denen ich nach dem Lernen und Essays formulieren einfach gar keine Lust und Kraft mehr übrig hatte, um noch rund 2.000 Wörter pro Roman ins Dokument zu hacken. Nanostimmung kam dieses Jahr bei mir keine auf und das ist auch in Ordnung. Es war auf jeden Fall ein interessanter November, keine Frage. Aber bevor das hier noch weiter in Kats kleine Jammerstunde ausartet, komme ich mal zurück zum Thema. Denn, ja, ich bin zufrieden mit diesem Nano und ja, zufriedener, als ich letztes Jahr war. Und das liegt daran, wie weit ich seit letztem November gekommen bin. Die Sache ist, dass ich einige Jahre in einer üblen Schreibblockade festhing, die ich als Writer Life Crisis bezeichne, weil ich der absoluten Überzeugung bin, dass jeder Autor und jede Autorin, die ernsthaft an diesem Hobby arbeiten, eine ähnliche Geschichte zu erzählen haben. Mir war nichts, das ich geschrieben habe, gut genug, ich habe oft Projekte nach ein paar Kapiteln abgebrochen und neu begonnen, ich habe vielleicht insgesamt eine Handvoll Wörter im Monat geschrieben, weil meine eigenen Zweifel mich zurückgehalten haben. 

Es war keine schöne Zeit, wirklich nicht. Noch letztes Jahr bin ich mit unglaublichen Selbstzweifeln in den Nano gestartet. Das erste Kapitel meines Thrillers habe ich in den ersten Tagen mehrmals begonnen, verworfen, neu begonnen... ich hatte tolle Schreibphasen, aber ich hatte auch viele Tage, an denen ich mir die 1.667 Wörter Tagessoll mühsam abquälen musste. Und dazu muss ich sagen, dass ich letztes Jahr schon dabei war, die Writer Life Crisis hinter mir zu lassen. Ich bin 2015 einer tollen Schreibgruppe beigetreten, die mich aus dem Loch rausgezogen hat und ohne die dieser Knoten wahrscheinlich nicht annährend so schnell geplatzt wäre. Natürlich geht sowas nicht von heute auf morgen, aber ich beobachte stetig Fortschritte an mir selbst. Noch vor eins, zwei Jahren war es für mich normal, im Monat höchstens so 15.000 Wörter zu schreiben. Mittlerweile kann ich gemütlich das doppelte schaffen und ärgere mich, wenn es "nur" 15.000 Wörter sind. Und das allerbeste: Ich habe gelernt, die Zweifel an mir und meinen Projekten wegzuschieben. Sie werden wohl niemals verschwinden und sicherlich wird es auch wieder Phasen geben, in denen sie lauter sind, als sonst, aber ich habe eine kritische Phase hinter mir, in der ich hätte aufgeben können. Aber ich habe nicht aufgegeben. 

NANOWRIMO 2017 - EIN HAUFEN ERKENNTNISSE

Als ich dieses Jahr in den Nano gestartet bin, hat eines ganz entschieden gefehlt: Die Zweifel und der innere Frust, die mich noch im Jahr zuvor dazu gebracht haben, einzelne Szenen und Kapitel immer wieder abzubrechen und neu zu schreiben. Ich habe einfach geschrieben und selbst, wenn ich mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden war, ist es stehengeblieben, weil ich mittlerweile weiß, dass ich den Feinschliff auch später machen darf und das ist mir sehr viel wert, weil ich mir mittlerweile selbst zutraue etwas zu schreiben, das andere vielleicht gern lesen würden. Ich habe mittlerweile wirklich das Gefühl, dass ich schreibe. Ich zerdenke meine Geschichten nicht mehr, ich rede mir nicht mehr ein, dass meine Ideen doof sind und mein Stil sich liest, wie der einer Katze, die über die Tastatur gelaufen ist, ich brauche nicht mehr zehn Minuten für einen einzigen Satz, der sich meiner Meinung nach krumm liest. Und das fühlt sich so unglaublich an, weil ich so frei seit Jahren nicht geschrieben habe. Wenn ich schreiben will, dann schreibe ich. Und ja, es gibt manchmal Probleme und manchmal muss ich einsehen, dass ein Projekt noch nicht so weit ist und manchmal entscheide ich mich nach guter Überlegung, eine Szene umzuschreiben - aber das passiert nicht mehr jeden Tag und es hält mich schon gar nicht mehr davon ab, Romane zu schreiben.

Es ist noch etwas passiert: Ich habe diesen Nanowrimo rund 120 Normseiten an einem Projekt geschrieben, für das ich mich sieben Jahre lang nicht bereit gefühlt habe - und mir gefällt, was ich bisher geschrieben habe. Dieses Projekt ist ein historischer Roman, für den ich als achtzehnjährige in Montmartre die ersten Ideen gesammelt habe und der dann jahrelang in der Schublade lag, weil ich mich nicht rangetraut habe. Besonders nicht mehr, nachdem ich 2011 und 2012 jeweils einen Fehlversuch gestartet hatte. Ich habe mich am dritten November sehr spontan dazu entschieden, dass es Zeit für diesen Roman ist und ich habe einfach geschrieben und ich bin zufrieden damit, was dabei bisher herausgekommen ist. Und, wenn ich jetzt jeden Monat so viel an diesem Projekt schreibe, wie im November, dann steht Ende Februar ein "Ende" unter diesem Projekt und das ist etwas, das mir noch letztes Jahr vorkam wie etwas, das nur durch ein Wunder geschehen könnte. Und deshalb ist der Nanowrimo 2017 auch ohne Sieg ein Erfolg, denn ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mich wirklich Autorin nennen kann. Ich schreibe. Und zwar die Projekte, die ich wirklich schreiben will. Und ich habe nicht wegen Stress an der Uni den Nano verloren - ich habe trotz Stress an der Uni 40.000 Wörter in einem Monat geschrieben. Und darauf bin ich stolz, echt. Denn noch vor einem oder vor zwei Jahren, hätte ich das nicht gekonnt.

Aber genug von mir. Habt ihr dieses Jahr am Nanowrimo teilgenommen? Habt ihr gewonnen oder verloren? Und welche Erkenntnisse habt ihr mitgenommen? Und natürlich möchte ich auch allen Nano-Gewinnern dieses Jahres gratulieren. Ihr habt etwas Tolles geleistet, herzlichen Glückwunsch! 

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