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"Damals" war oft anders: Historisch korrekt ist kein Argument


"Damals war das aber so!" Wer hat das im Diskurs um historische Fiktion noch nicht gehört? Meist wird dieser kleine, so frustrierende Satz als Totschlagargument eingeworfen, damit man die Diskussion endlich gewinnt, denn wer kann schon gegen historische Korrektheit argumentieren? Ich. Und ihr auch! Denn dieses "damals", das angeblich so oder so war, war oft anders als gedacht und ist auch gar nicht so leicht zu definieren, wie man glauben möchte. Eine der ersten Lektionen, die ich in meinem Geschichts- und Archäologiestudium gelernt habe, ist, dass es oft keine eine Wahrheit geben kann, wenn man über Geschichte spricht, und je weiter man in der Zeit zurückschaut, umso mehr wird Geschichte zur Interpretationsarbeit, zum Zusammensetzen kleinster Teilchen zu einem Puzzle, von dem die meisten Stücke fehlen. Wenn man mit Geschichte arbeiten will, auch als AutorIn, muss man sich bewusst machen, dass einem niemand klare Antworten liefern wird, wenn man zu recherchieren beginnt. Es gibt kein "Damals war das so!". In den seltesten Fällen lässt sich ein historisches Ereignis wirklich eins zu eins rekonstruieren - und für historische Gesellschaften gilt das sowieso.

QUELLEN & INTERPRETATIONEN: WER SCHREIBT GESCHICHTE?

Für einige Epochen und Ereignisse ist die Quellenlage natürlich trotzdem besser, als für andere. Zum Vierten Laterankonzil wird man unweigerlich mehr Quellen- und Recherchematerial finden, als zum Leben der einfachsten Bevölkerung zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts. Generell gilt: Je wichtiger ein Ereignis oder eine Person von den Zeitgenossen wahrgenommen wurde, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Quellenlage gut ist. Denn Geschichte ist nicht neutral. Und allein deshalb funktioniert "Damals war das aber so" als Argument nicht, denn es gibt keine neutralen Fakten, die ein klares, unumstößliches "damals" ergeben. Die Quellen, mit denen wir arbeiten, dürfen wir genauso wenig einfach für bare Münze nehmen, wie die Sekundärliteratur, die uns zu einem Thema vielleicht über den Weg läuft. Denn Quellen sind von Menschen geschrieben und wer im Rahmen von historischer Fiktion mit diesen Quellen arbeiten möchte, der kommt einfach nicht darum herum zu hinterfragen, von wem diese Quelle stammt. Wer hat sie zu welchem Zweck erschaffen? Denn eins muss man sich klar machen: Die meisten überlebenden Quellen stammen von Menschen, die Macht und Einfluss hatten, nicht von einfachen Menschen und nur ganz selten sogar von unterdrückten Minderheiten. Und wer dann in diesen Quellen gut dasteht und wer nicht, wer vielleicht überhaupt nicht auftaucht, das ist dann sicher klar.

Dieser Bias schlägt sich auch in Fachliteratur nieder. Wer Fachliteratur schreibt, möchte natürlich informieren. Er möchte den Leser aber auch von seiner Interpretation von Quellen und Ereignissen überzeugen. Er hat eine These und die Informationen und Quellen, die er präsentiert, werden herangezogen, um diese These zu stützen und plausibel zu machen. Keine Originalquelle, keine Sekundärliteratur ist also jemals komplett ohne Bias entstanden. Denkt daran, dass sie von Menschen stammen. Menschen mit Überzeugungen und Hintergedanken. Deshalb ist es wichtig, eben nicht nur eine Quelle heranzuziehen oder nur ein Werk aus der Fachliteratur. Das klarste Bild - und vor allem seine eigene Interpretation des Geschehenen - bekommt man nur, wenn man verschiedene Blickwinkel und Thesen kennt, wenn man außerdem den Kontext der Epoche kennt, wenn man sich die Zeit nimmt und die Mühe macht, sich wirklich eindringlich nicht nur mit dem Ereignis oder der Person selbst zu beschäftigen, über die man schreibt, sondern auch mit ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld. Und man muss unbedingt weg von der Idee der einen historischen Wahrheit, den unumstößlichen Fakten. Denn die gibt es nicht. Wer historische Medien erschafft, der sollte nicht mit "Fakten" arbeiten, sondern mit den Möglichkeiten und dem Interpretationsraum, die Geschichte uns lässt.

"Damals war das aber so!" hört man heute leider besonders oft, wenn es um die "historisch korrekte" Unterdrückung von Minderheiten in historischen Gesellschaften geht. Und meist fußt dieses Argument darauf, dass keine oder nur wenige Quellen da sind, die die Existenz gewisser Minderheiten belegen. Natürlich kann man es sich jetzt einfach machen und das als Beweis dafür heranziehen, dass es - zum Beispiel - im Böhmen des vierzehnten Jahrhunderts keine nichtweißen Menschen gegeben hat, wie ein gewisser Daniel Vávra, (Mit)-Entwickler des momentan heiß diskutierten Historien-RPGs "Kingdom Come: Deliverance", sich das zurechtgelegt hat (x). Hier greift aber eine weitere Problematik, die ich im Studium sehr früh kennengelernt habe: Quellen sind nur Belege für das, was sie erwähnen. Sie sind keine Belege dafür, dass das, was sie nicht erwähnen, nicht existiert hat. Und das, was sie nicht erwähnen, sind eben meist Ereignisse und Menschen, die von den Wichtigen und Mächtigen ihrer Zeit nicht als wichtig genug empfunden wurden, um ihre Existenz festzuhalten. Ist dieses RPG, das auf fünfzehn Quadratmetern des mittelalterlichen Böhmens spielt und keinerlei nichtweiße Menschen einbindet, "historisch korrekt?" Klar, es kann dort so ausgesehen haben. Wäre es aber auch "historisch korrekt" gewesen, wenn nichtweiße Figuren auftauchen würden? Ja. Und genau hier liegt der Knackpunkt, denn es gibt keine eine historische Wahrheit, die man auf alle Situationen münzen kann. Und deshalb ist "Damals war das aber so!" auch kein Argument. Es ist eine Ausrede. 

DIE GROßE HISTORISCHE AUSREDE

Ob ich in meinem historischen Roman nichtweiße Figuren, queere Figuren oder andere diverse Figuren einbinde, ist eine Entscheidung und das ist auch das, von dem ich mir erhoffe, dass der ein oder andere es aus diesem Artikel mitnimmt. "Aber damals im vierzehnten Jahrhundert gab es in Böhmen keine nichtweißen Menschen" ist, auch wenn es als solcher präsentiert wird, kein historischer Fakt. Davon auszugehen, dass in einer so mobilen Zeit wie dem europäischen Mittelalter zwar weiße Menschen in alle Teile der ihnen bekannten Welt ausgezogen sind, nichtweiße Menschen im Umkehrschluss aber niemals nach Mitteleuropa gelangt sind (oder ohne kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken wieder verschwunden sind), halte ich für absolut naiv, doch genau diese Idee scheint in den Köpfen vieler Menschen festzustecken. "Damals gab es diese Menschen dort nicht" ist also eine Ausrede. Eine historische Geschichte in dieser Zeit anzusiedeln und nur weiße Figuren mitspielen zu lassen, ist also kein nobler Schachzug im Namen der "historischen Korrektheit". Es ist eine Entscheidung, die man als kreativer Mensch trifft und, dass so viele nicht hinter dieser Entscheidung stehen können und "historische Korrektheit" vorschieben, um sie zu rechtfertigen, ist zumindest in meinen Augen schon ziemlich aussagekräftig. 

Denn wir leben im Jahr 2018. Warum Diversity so wichtig ist, hat sich mittlerweile bis in die hintersten Ecken des Internets rumgesprochen. Und warum ist sie im historischen Roman, oder in einem Historien-RPG, wichtig? Nicht wegen der zweifelhaften "historischen Korrektheit", die es so gesehen doch eigentlich gar nicht gibt. Sondern, weil wir uns alle gern repräsentiert sehen. Besonders auch in historischen Geschichten. Denn wenn die großen historischen Abenteuer nur von weißen, heteronormativen Figuren erlebt werden, dann sagt das auch etwas über die Gegenwart aus und unseren Umgang mit diskriminierten Minderheiten. Wir senden mit unseren Romanen und anderen Medien immer Botschaften, egal wie vehement viele AutorInnen abstreiten, irgendetwas vermitteln zu wollen. Wir tun es und wir können das auch nicht vermeiden. Umso besser, wenn man sich von vorn herein bewusst ist, welche Botschaft man vermittelt, oder nicht? Umso besser, wenn man dazu stehen kann, anstatt sich hinterher hinter einem unsinnigen "Das war aber damals so!" verstecken zu müssen. Denn das war damals nicht so. Dieses "damals" ist ein reines Konstrukt, weil historische Medien immer nur Konstrukte sind. Wir können interpretieren. Wir können Vergangenheiten niemals wirklich korrekt abbilden. Wie etwas "damals" war, ist so viel komplexer, so viel verschachtelter als das und es lässt vor allem so viele Interpretationen und Thesen zu, dass ein "Damals war das aber so!" schon eine Beleidigung für diese historische Vielfalt ist.

"FÜR DIE WAR DAS NORMAL!": DIE NORMALISIERUNG VON GEWALT
CW: Ich spreche in diesem Abschnitt über sexuellen Missbrauch

Ein weiterer Punkt, der gern mal das "Damals war das aber so!" oder seinen kleinen Cousin "Das fand ich blöd, aber damals war das wohl einfach so", der durch viele Rezensionen geistert, heraufbeschwört, ist die Rechtfertigung von brutalster Gewalt gegen Frauen und nicht selten auch queere Minderheiten. Im historischen Roman zum Beispiel wird so viel sexuell missbraucht, dass ich das Genre lange Zeit gemieden habe, denn diese Normalisierung von sexueller Gewalt will ich nicht lesen. Und nichts anderes ist das. "Das war damals aber so" wird nämlich gern um "Die kannten das doch nicht anders" ergänzt und daraus wird sehr schnell ein hässliches "Das war normal für die!", als wäre das alles dann auch gar nicht so schlimm. Selbst Medien, die ich wirklich sehr gern mag, tappen in diese Falle, denn es ist im Histobereich wohl eins der am schwersten totzukriegenden Klischees, dass die Welt, je weiter man zurückgeht, umso frauenfeindlicher und barbarischer war, als wäre das eine lineare Entwicklung und nicht etwas, das stark von Zeit, Ort und Kontext abhängig ist. Besonders oft trifft es da das "dunkle" Mittelalter und die Darstellungen von (sexueller) Gewalt gegen Frauen sind so bitter wie flach: Links und rechts wird missbraucht, aber keiner findet das besonders schlimm, Täter werden nicht bestraft, damit musste man als Frau halt leben, das "war halt damals so". Aber auch das ist wieder eine viel zu einfach gedachte Sache, die in Wirklichkeit so viel komplexer ist und so viele verschiedene Möglichkeiten zum Umgang mit dem Thema bereithält.

Dieser lapidare Umgang mit einem so komplexen und sensiblen Thema ist in meinen Augen einfach nur daneben. In historischer Fiktion, ganz besonders, wenn sie auf Frauen als Zielgruppe abschießt, wird ohne Konsequenzen missbraucht. Selbst in der TV-Version von Diana Gabaldons "Outlander"-Romanen, die mit Claire eine selbstbestimmte Heldin präsentiert und oft den female gaze1 anwendet, wird die Gewalt, die Claire durch ihren Ehemann erfährt, der als positive Figur angedacht ist, mit einem "Das war aber damals so!" gerechtfertigt - und normalisiert, denn ihren Ehemann soll man als Zuschauer schließlich weiterhin mögen, obwohl er seine Frau schlägt. Historische Medien zwingen uns oft geradezu, Missbrauch und Gewalt zu dulden und zu verzeihen, denn "so war es halt damals, das ist normal für die!" Und das geht so nicht. Nicht nur, weil eben auch dieses Thema sehr viel komplexer ist und sehr viel mehr Fingerspitzengefühl verlangt, als das, sondern auch, weil historische Medien am Ende immer noch für moderne Zuschauer gedacht sind. Vor dem Bildschirm sitzen keine Zeitgenossen aus dem achtzehnten Jahrhundert, wenn "Outlander" läuft, sondern moderne ZuschauerInnen. Die einschlägigen Historienromane lesen keine mittelalterlichen Menschen, sondern moderne LeserInnen. Und diese Normalisierung von (sexueller) Gewalt macht etwas mit uns. "Damals war das normal, deshalb ist das gar nicht so schlimm!" beeinflusst auch unsere moderne Perspektive auf diese Probleme.

EIN SCHLUSSWORT

Am Ende ist und bleibt "Das ist so aber historisch korrekt!" eine Ausrede. "Damals war das so!" ist kein Argument, es ist ein Schutzschild, hinter den man sich stellen kann, um seine oft schwarzweiß gedachten und flach recherchierten historischen Medien zu verteidigen. Aber am Ende ist eines klar: Geschichte kann mehr als das. Sie ist vielfältig. Sie lässt Interpretationsraum und sie kennt keine eindeutigen Fakten und historisch "korrekten" Wahrheiten. Wir als AutorInnen von historischen Romanen, als EntwicklerInnen von Historienspielen, als kreative Personen hinter historischen Medien, treffen Entscheidungen, wenn wir unsere Geschichten entwickeln. Und diese Entscheidungen hinter einem "Damals war das aber so!" zu verstecken kann doch nicht das Wahre sein. Leute, macht eure Recherche und macht sie gründlich. Aber seid kritisch, was die Quellen und die Literatur angeht, die ihr dazu benutzt, nehmt sie nicht einfach so als historische Wahrheiten hin. Denn sie sind von Menschen gemacht und oft von Menschen mit Macht. Es gibt Gründe, warum eine Quelle vielleicht nicht erwähnt, dass eine historische Persönlichkeit queer war. Es gibt Gründe, warum Quellen - und moderne Literatur! - ethnische Vielfalt in historischen Gesellschaften unterschlagen. Historischer - und moderner - Kontext sind wichtig. Macht euch damit vertraut und vertraut nicht auf dieses elende "Das war damals so!". Es gibt dieses "damals" nicht. Es gibt viele verschiedene Versionen von "damals" und am Ende ist keine davon wirklich "richtig".

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass man seine Recherche aus dem Fenster schmeißen sollte. Aber denkt selbst mit, als Schaffende und als Konsumierende. Man muss etwas nicht einfach hinnehmen, nur weil jemand sagt, dass das "damals halt so war". Denkt immer daran, dass Originalquellen von ihren zeitgenössischen Ideologien und Wertvorstellungen gefärbt sind, genauso wie moderne Literatur von modernen gesellschaftlichen Konventionen, sowie der Intention des Autors oder der Autorin. Im Fall "Kingdom Come: Deliverance" ist mittlerweile ersichtlich, dass sich hinter Várvas "Damals war das aber so!" rechtes Gedankengut verbirgt. Doch man muss noch lange nicht rechts sein, um auf die "Damals war das so"-Falle hereinzufallen, denn ganz besonders auch die deutsche historische Fiktion, ein Riesenmarkt, ist großteils weiß und heteronormativ und voll von normalisierter sexueller Gewalt. Und wir sollten darüber mehr nachdenken. Wir sollten es öfter kritisieren und nicht einfach hinnehmen. Wir sollten das "Aber damals war das halt so!" nicht mehr akzeptieren, denn damals war oft anders gedacht und die eine, auf alles anwendbare "historische Korrektheit" gibt es sowieso nicht. Es wird Zeit, unsere historischen Medien, ob Roman, ob Film, ob RPG, mal von Grund auf zu überholen. Und unsere Einstellung zu Geschichte. Es gibt nicht die eine historische Wahrheit. Es gibt keine eine "historische Korrektheit", schon gar nicht, wenn unsere Idee davon, was das ist, durch alte, diskriminierende Ideologien geprägt ist. Und es wird Zeit, dass wir uns davon lösen.

MEHR ZUM THEMA:



1) Female Gaze: Handlung und Ereignisse werden aus einer weiblichen Sichtweise und für weibliche Zuschauer präsentiert, anstatt aus der männlichen, die weibliche Figuren oft ausschließt und auf romantische oder sexuelle Eroberungen reduziert. Besonders im Historiengenre, das lange Zeit nur die männliche Sicht auf historische Ereignisse und Epochen präsentiert hat, ist der Female Gaze, also die weibliche Perspektive auf große historische Veränderungen, sehr wertvoll.

Kommentare

  1. Wow, was für ein Artikel! Du sprichst aus, was ich schon immer dachte. Woher wollen Archäologen und Historiker alles so genau wissen? Es ist doch immer wieder so, dass es ein paar Jahre lang eine unumstössliche Weisheit gibt, nur um dann später wieder revidiert zu werden. Also ich finde es manchmal etwas befremdlich, wenn Professoren und Doktoren auf einem Fakt beharren, obwohl es schlicht nicht wirklich zu 100% erwiesen ist. Man müsste definitiv Vorbehalte gegenüber allen vorherrschenden Lehrmeinungen anbringen. Denn in ein paar Jahren kommen wieder andere Erkenntnisse und setzen sich vielleicht auch in der Lehrmeinung durch. Nur um dann wieder revidiert zu werden.
    Ich finde die Geschichte der Menschheit sowieso mega spannend. Sovieles ist noch ungeklärt und wird es womöglich auch für immer bleiben.
    Spannend finde ich auch deine Gedanken zu den Farbigen. Natürlich ist es fast unmöglich, dass nur die Weissen sich dahin wagten, aber umgekehrt sollen nie Menschen mitgenommen worden sein?! Das ist in der Tat etwas überheblich zu glauben :D Selbstverständlich wird das auf dem umgekehrten Weg genauso passiert sein, da bin ich mit dir einer Meinung. Ob freiwillig oder nicht, sei dahin gestellt. Oder entspricht auch das wieder einem Klischee? In deinem Artikel sprichst du ja auch das an. :D Spannend, spannend.
    Vielen Dank für Deine Gedankenanregungen - grossartig!!
    LG, Tabea von Buchbunt.blog

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    1. "Woher wollen Archäologen und Historiker alles so genau wissen? Es ist doch immer wieder so, dass es ein paar Jahre lang eine unumstössliche Weisheit gibt, nur um dann später wieder revidiert zu werden. Also ich finde es manchmal etwas befremdlich, wenn Professoren und Doktoren auf einem Fakt beharren, obwohl es schlicht nicht wirklich zu 100% erwiesen ist. Man müsste definitiv Vorbehalte gegenüber allen vorherrschenden Lehrmeinungen anbringen."

      Also, eigentlich ist es ein zentraler Bestandteil des Geschichtsstudiums, ein Bewusstsein für genau diese Problematik zu entwickeln. Insofern bin ich ein bisschen überrascht, dass Du das so schreibst. Zumindest in der Alten Geschichte ist eigentlich so gut wie alles umstritten und uns Althistorikern ist durchaus bewusst, dass wir uns oft quellenbedingt auf sehr dünnem Eis bewegen ;-)

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  2. Danke für deinen Kommentar, Tabea!

    Was PoC in Europa angeht, finde ich es immer total befremdlich, wenn Leute glauben, dass es das nicht gegeben haben kann. Wenn man sich allein anguckt, wie weit das Mongolische Reich im dreizehnten Jahrhundert gekommen ist, oder das Osmanische Reich im fünfzehnten Jahrhundert... Es ist doch naiv zu glauben, dass nach den Schlachten einfach alle wieder nach Hause gegangen sind. ;) Ich habe zum Beispiel selbst asiatische Vorfahren, die ab dem 19. Jahrhundert in einer sehr ländlichen Region von Deutschland gelebt haben. Vielleicht macht es mir das einfacher, nicht darauf reinzufallen, dass es "damals" keine PoC in Europa gab, aber der Gedanke, dass Nicht-Europäer niemals auf die Idee gekommen sein sollen, nach Europa zu reisen und auch dort zu bleiben, während Europäer in alle Welt ausgereist sind, ist für mich einfach nicht nachvollziehbar.

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  3. Ach eine wunderbarer Beitrag, vielen Dank! Und sooo wahr, ich finde es auch einfach nur eine Ausrede, man kan nie zu 100% wissen, was wan wie wo wirklich war und was nicht. Ich bin voll der ZDF NEO Reportagen Junkie geworden, weil die tatäschlich immer mal wieder mit alten Gedanken und Ideen aufräumen und beispielweise zeigen,w ie weit das Osmanisch eund Mongolische Reich wirklich gekommen sind. Ich kann mir das auch null vorstellen, dass die alle wieder brav urück gegangen sind, wie du so schön schreibst, ist doch schwachsinn, sich an solchen engstirnigen Ausreden festzuhalten und am Ende sich dahinter zu verstecken, weil keiner Wissen soll, dass es von dem ein odere anderem vielleicht sogar die akutelle wahre Meinung ist. Ich fände es auch gut, wenn mehr einfach mal nicht "Damals war das so" nehmen, sondern ihre Ideale und modernere Sichtweisen mit reinnehmen und auch Historie vielfältiger machen, denn das war sie bestimmt, dass was wir kennen ist ja doch nur ein Burchteil weniger mächtiger.
    glg Franzi

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  4. Vielen Dank für den Kommentar, Franzis. <3 Ja, ich wünschte auch, besonders AutorInnen würden mit dem, was sie recherchieren, etwas kritischer umgehen und sich auch öfter eine eigene Meinung dazu bilden. Das würde das Genre so viel diverser und spannender machen.

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  5. Hallo liebe Kat,
    was für ein toller Artikel! Ich habe Geschichte immer geliebt und es hat mich so gestört, dass diesen Spruch immer jeder gebracht hat, wenn man über Historische Gegebenheiten diskutieren wollte. aaargh.
    Ich finde du hast das wirklich genial auf den Punkt gebracht. Und dein Blog Ansicht gefällt mir auch super gut, weshalb ich dir direkt mal gefolgt bin :) Liebste Grüße Jessie

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    1. Danke für den Kommentar, Jessie. Und auch danke für's Folgen. <3

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  6. Den Beitrag habe ich schon vor einiger Zeit gelesen und fand den super. Irgendwie scheinen manche Menschen ja den Eindruck zu haben, alles wäre schon ins Detail erforscht. Dabei haben wir nur eine äußerst vage Vorstellung, wie das Leben damals wirklich war. Vermittelt durch Menschen, die jeweils ihre eigene Agenda fuhren.

    Würde mich freuen, vorausgesetzt das Thema passt, mal einen Artikel von dir bei Gondor statt Mordor zu lesen :)

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    1. Ich glaube ehrlich gesagt oft, dass es vielen auch einfach darum geht, Recht zu haben. Wenn man sich vielleicht nicht so gut auskennt, kann man einem "War aber damals so!" leider wenig entgegensetzen. Danke für deine Kommentare. <3

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  7. Bei der Überschrift musste ich sofort an die Arbeit denken. Ein geliebter Satz vieler Dermatologen "Das verordne ich schon immer so". Und schon immer konnte man die Salbe nicht mit guter Qualität herstellen, aber der Arzt hatte bis 2012 die Hoheit und durfte auch Salben verordnen, die man mit pharmazeutischem Wissen nicht wirksam herstellen konnte. Heute dürfen wie Pharmazeuten sagen, das geht so nicht.
    So viel zum Thema "Damals war alles besser".
    Danke, dass du mich heute Abend nochmal zum Schmunzeln gebracht hast.
    LG Kerstin

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