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Teegedanken: Warum spielt eigentlich alles in den USA?

Foto: Kira auf der Heide
Hand aufs Herz: Als ich als Teenager meine ersten literarischen Gehversuche gemacht habe, habe ich über das Setting gar nicht groß nachgedacht: USA natürlich! New York City, um genau zu sein, denn dort spielte das absolute Lieblingsbuch meines dreizehnjährigen Ichs, Meg Cabots "Plötzlich Prinzessin".  Erst mit der Zeit habe ich begonnen, mir auch mal andere Schauplätze für meine Geschichten auszugucken und gleichzeitig habe ich auch beim Lesen immer mehr darauf geachtet, wo die Romane eigentlich spielen. Und ein Großteil spielt eben in den USA, oder genauer gesagt: "Irgendwo in Amerika", denn meist ist der Handlungsort von Urban Fantasy und Young Adult irgendeine kleine, fiktive Stadt im Nirgendwo, wenn es nicht eine der gängigen amerikanischen Großstädte ist. Warum das so ist, ist denke ich ziemlich leicht zu beantworten: Amerikanische Literatur bestimmt den Markt und die meisten Bücher, die wir in die Hände bekommen, stammen nun einmal von amerikanischen AutorInnen. Dass das auch deutsche AutorInnen in der Wahl ihres Settings beeinflusst, ist ganz normal und ich habe damit auch überhaupt kein Problem. Allerdings würde ich schon gern auch mal andere Settings sehen und ein paar Dinge stören mich an diesem Trend auch und darum soll es heute gehen.

HAUPTSACHE AMERIKA, RECHERCHE KOMMT SPÄTER

Etwas, das mir sehr oft auffällt, wenn nicht-amerikanische AutorInnen im amerikanischen Setting schreiben, ist, dass das Setting nichts weiter ist als eine leere Hülle. Ein Stadtname, vielleicht noch der Name des Staats, in dem die Geschichte spielt, und das war's. Ich bin jemand, der ausgefeilte Settings, die vor dem inneren Auge wie Kopfkino auftauchen, liebt, weshalb ich das ziemlich furchtbar finde. Es wirkt oft, als hätte die einzige Recherche von Autor oder Autorin darin bestanden, einen Dartpfeil auf eine Karte der USA zu werfen. Natürlich sollte das Setting nicht im Vordergrund stehen, aber es ist so viel wichtiger, um eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen, als vielen AutorInnen bewusst zu sein scheint. Und, wenn man merkt, dass sich Autor oder Autorin mit dem ausgewählten Setting gelinde gesagt eher so mittel auskennt, schmälert das zumindest bei mir das Lesevergnügen. Ja, ich will wissen, wie es dort, wo die Helden leben, aussieht, wie das Wetter ist, was für Häuser es dort gibt, was für Tiere, was man dort machen kann. Für mich hat zum Beispiel das Südstaatensetting von Maggie Stiefvaters "Wen der Rabe ruft" so gut funktioniert, weil Henrietta, die Kleinstadt, in der der Roman spielt, lebendig geworden ist. Ich konnte mir vorstellen, wie es dort aussieht und vor allem, wie es sich anfühlt, dort zu leben. Besonders Urban Fantasy gibt das finde ich sehr viel, wenn das Setting eine ganz eigene Atmosphäre mitbringt. 

Man könnte jetzt sagen, dass es nicht-amerikanische AutorInnen schwerer haben, ein amerikanisches Setting zu recherchieren, als amerikanische, denn für uns ist es natürlich meistens nicht drin, einfach mal hinzufahren und es uns anzugucken. Das heißt aber nicht, dass gar keine Recherche möglich ist, um ein interessantes und glaubwürdiges amerikanisches Setting zu schreiben, besonders nicht heutzutage, wo man die allermeisten Orte in den USA via Streetview direkt besuchen kann. Wie es dort riecht, wie sich das Wetter anfühlt und solche Details kann man da natürlich nicht sehen, aber ehrlich? Mit ein bisschen Willen zur Recherche und Fantasie, die AutorInnen ja für gewöhnlich mitbringen, lässt sich da viel machen. Auch, wenn man ein Setting vielleicht nicht perfekt wiedergeben kann, ohne dort gewesen zu sein, besser als die leeren Orte, die nicht viel mehr sind als ein Name, geht es alle mal. Und ehrlich gesagt nervt mich kaum etwas mehr, als Settings, denen man anmerkt, dass sich da jemand "Hauptsache USA, der Rest ist egal" gedacht hat. Wie gesagt, ich habe absolut kein Problem mit amerikanischen Settings, aber manchmal frage ich mich schon einfach: Warum? Weil die Leser das so erwarten? Weil man es einfach so von anderen Büchern gewohnt ist? Aber besonders blöd finde ich das, wenn die Geschichte genauso gut überall anders hätte spielen können, wenn man die amerikanische Kleinstadt problemlos gegen eine englische, deutsche oder von mir aus schweizerische austauschen könnte, ohne, dass man viel anpassen müsste.

Besonders bei deutschen AutorInnen fällt mir das oft auf und es geht Hand in Hand mit etwas, das mich richtig nervt: Amerikanisches Setting, aber die Figuren verhalten sich wie Menschen, die in Deutschland sozialisiert wurden. Wenn eine Figur namens Mary Smith, die in einer Kleinstadt in Texas aufgewachsen sein soll, morgens Brötchen beim Bäcker kauft, eine Highschool besucht, die aufgebaut ist, wie ein deutsches Gymnasium und am besten noch eine Oma hat, die ihr Schals strickt und Apfelstrudel backt... Ja, ich übertreibe gerade, aber ihr wisst, was ich meine: Es stört mich extrem, wenn kulturelle Unterschiede komplett ignoriert werden, schon allein, weil ich mich frage, warum diese Kleinstadt dann in Texas ist und nicht in Baden-Württemberg, wenn sich alle Figuren ausnahmslos verhalten, als seien sie in Baden-Württemberg aufgewachsen. Das fällt mir immer öfter sehr stark auf, wenn Bücher von deutschen AutorInnen in den USA - oder auch in England - spielen, und es lässt das Setting einfach sehr künstlich wirken. Settings, die man selbst nicht kennt, sollte man einfach genauso gut recherchieren, wie alles andere, über das man schreibt, sonst geht das einfach nach hinten los und anstatt einer dichten, eigenen Atmosphäre hat man dann gar keine, oder eine, die eher auf ein kleines bayrisches Dorf passen würde, als in eine texanische Kleinstadt und das ist so schade.

DER ERLKÖNIG IN IOWA & ANDERE HÄH-MOMENTE

Darüber hinaus finde ich einfach schade, dass viele tolle Orte, die spannende Settings hergeben würden, links liegen bleiben und das x-te Buch entsteht, das in einer amerikanischen Kleinstadt spielt. Ich wünschte einfach, AutorInnen - und das gilt auch für amerikanische - würden mehr über den Tellerrand blicken und sich die Mühe machen, Settings zu recherchieren und zu schreiben, die nicht in den USA liegen, eben einfach mal was anderes vorstellen. Ganz besonders gilt das übrigens, wenn sie in Fantasy Legenden oder Sagen benutzen, die nicht aus den USA stammen. Besonders irische Fabelwesen werden gern mal ohne ersichtlichen Grund in die USA verfrachtet und während mich das jetzt nicht unbedingt stört, finde ich schon, dass es ein bisschen so ist, als würde man sagen: "Ich finde zwar eure Fabelwesen cool, aber ich hab keinen Bock Irland zu recherchieren, also picke ich mir nur das aus eurer Kultur raus, was ich mag." Es ist eben einfach auch so, dass Sagen und Legenden nicht ohne Grund genau an den Orten entstanden sind, an denen sie eben entstanden sind und eine irische Banshee mitten in New York oder der Erlkönig im amerikanischen mittleren Westen - kann man machen, wirkt aber einfach oft sehr unpassend. Und wo ich "Wen der Rabe ruft" oben schon positiv erwähnt habe, nehme ich es jetzt auch nochmal als Negativbeispiel her, denn, dass der walisische Volksheld Owain Glyndŵr nach seinem Tod im amerikanischen Virginia beigesetzt worden sein soll... warum? 

Stiefvater gibt dafür natürlich eine Erklärung, die ich auch sehr gelungen fand, aber auf den ersten Blick frage ich mich bei sowas einfach immer, wieso Fabelwesen und Sagenhelden aus anderen Kulturen in Romanen immer irgendwann in Amerika auftauchen, als könnten nur dort große Abenteuer beginnen. Auch Vampire aus allen Ecken der Welt finden sich im Roman ja gern mal in New York ein, obwohl sie das moderne Großstadtleben auch in Paris, London, Berlin oder Prag erleben könnten. Stört mich das? Nicht wirklich. Wer seine Banshee-Geschichte in den USA spielen lassen möchte, der soll das tun. Alles, was ich mir wünsche, ist eigentlich ein bisschen mehr Recherche, was das Setting angeht, ein bisschen mehr Detail, das eine schöne Atmosphäre schafft, und vielleicht ein bisschen Fingerspitzengefühl, was die Arbeit mit Sagen und Legenden aus Kulturen, die nicht die eigene sind, angeht. Am Ende bin ich es einfach leid, immer wieder Bücher zu lesen, die vorgeben, in den USA zu spielen, das Setting aber leer und einfallslos präsentieren. Gleichzeitig bin ich jedoch auch Romane von amerikanischen AutorInnen leid, die kein anderes Setting zu kennen scheinen, als ihren eigenen Heimatort und alle Legenden, Fabelwesen und sogar Sagenhelden aus anderen Kulturen mit Macht in dieses Setting hämmern, ob's nun passt oder nicht. 

Aber, hey: Manche Geschichten verlangen einfach nach einem amerikanischen Setting, das ist keine Frage. Manche Geschichten brauchen die Weite des mittleren Westens oder Kaliforniens Strandkultur oder New York Citys "concrete jungle"-Atmosphäre. Südstaatenhorror ohne Südstaatensetting funktioniert genauso wenig, wie ein Jetsetroman ohne Hollywood und das sind natürlich verdammt interessante Settings, die gut recherchiert funktionieren, egal, wie oft sie schon benutzt wurden - aber der Punkt ist halt, dass sie gut recherchiert sein müssen. Und, dass man eben trotzdem nicht jede Geschichte auf Teufel komm raus in den USA spielen lassen muss, schon gar nicht, wenn das Setting so leer und einfallslos ist, dass es eben auch einfach jedes andere x-beliebige Setting sein könnte und die Figuren sich sowieso alle benehmen, als seien sie beim Autor um die Ecke aufgewachsen. Was möchte ich jetzt eigentlich sagen? Wahrscheinlich das: Recherchiert eure Settings, Leute, besonders, wenn ihr selbst noch nie dort wart. Denkt daran, dass es kulturelle Unterschiede gibt, dass man mit Legenden aus anderen Kulturkreisen vorsichtig umgehen sollte und, dass es noch andere Settings als "irgendwo in den USA" geben kann. Auf den ersten Blick mag das Setting vielleicht unwichtig wirken, doch wenn man richtig damit arbeitet, kann es sehr viel zur Atmosphäre des Romans beitragen - oder sie eben komplett zerschießen, wenn man nicht aufpasst.

Wie seht ihr das? Stören euch "leere" Settings oder achtet ihr darauf nicht? Würdet ihr gern mehr Romane sehen, die außerhalb der USA spielen? Was sind eure Lieblingssettings? 

Kommentare

  1. Ich war noch nie in den USA und würde eine schlechte Recherche und daraus resultierende Fehler wohl nicht in jedem Fall überhaupt erkennen. Aber ich liebe es, englischsprachige Bücher zu lesen, die beispielsweise in Wales oder Australien spielen oder in ganz anderen Ecken des Globus und man das auch an vielen Kleinigkeiten deutlich merkt. Das gelingt natürlich Autoren, die dort herkommen und über das erzählen, was sie aus eigener Erfahrung kennen, viel leichter als jemandem, der sich das Lebensgefühl in Florida, Chicago oder Wellington erst mühsam zusammen recherchieren muss.

    Und deshalb freue ich mich auch immer, wenn ein Buch eines deutschprachigen Autors auch in Deutschland / Österreich / Schweiz oder auch mal im Elass spielt. In der Heimat des Autors, die er uns auch glaubwürdig und realitätsnah rüberbringen kann.

    Vielleicht lassen machen Autoren ihre Bücher in den USA spielen, weil das eine Distanz zu unserem langweiligen Alltag schafft. Mir gefällt es aber am besten, wenn sich eine langweilige schwäbische Kleinstadt oder ein Vorort Hannovers zum Schauplatz fantastischer Ergeignisse mausert. Das könnte von mir aus auch gerne öfter passieren.

    LG Gabi

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    1. Hi, Gabi! Danke für den Kommentar. <3 Romane, denen man anmerkt, dass der Autor das Setting gut kennt und mag, lese ich auch wirklich gern, das gibt der Geschichte einfach nochmal was Besonderes.

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  2. Wie Recht du hast. Fällt mir ja besonders auf, wenn ICH mal über ein Setting lese, in dem ich mich auskenne. Sei es Chemnitz/Sagen, das Student*innenleben in Mainz oder seltsame Klischees über die Ukraine ...
    Der erste Roman, den ich geschrieben habe, spielt übrigens auch in den USA. Da ich aber damals gar keine amerikanische Urban Fantasy gelesen habe (entweder las ich Sachen von LÄNGST toten Autor*innen, oder ich las Marion Zimmer-Bradleys Darkover-Romane, oder wenn amerikanisch und urban, dann höchstens Anne Rice), war der Grund ein anderer: Ich wollte eine Allegorie auf die Nazizeit ums Verrecken nicht in Deutschland spielen lassen. Und damals war Bush Präsident und dem traute ich ein totalitäres Regime halt einfach zu :D.
    Und: Hach, Google-Streetview hat mir so oft den Hals gerettet ... ich bin in ganz New Orleans "herumgefahren" damit.

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    1. Ach, ich schreibe auch gern mal Geschichten in den USA, wenn es denn passt, aber halt nicht auf Teufel komm raus und immer. :D (Und in New Orleans bin ich mit Streetview für eine Projektreihe auch sehr viel unterwegs, High Five!)

      Danke für deinen Kommentar. <3

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  3. Ich bin gern in unterschiedlichen Settings unterwegs und habe persönlich ein Faible für alles Nördliche (Skandinavien, Kanada, Alaska, ...). Allgemein kann ich mich aber mit fast jedem Schauplatz anfreunden, solange dieser glaubhaft beschrieben wird und zur Atmosphäre beiträgt.
    Das USA-Problem ist mir persönlich noch nicht so aufgefallen, da ich bislang noch kaum Romane von deutschsprachigen AutorInnen gelesen habe, die in den USA angesiedelt sind. Ich habe jetzt auch mal meine Bücher von 2017 durchgesehen - von 69 gelesenen hatten 10 die USA als Schauplatz, sonst hatte ich alles quer durch von Wales und England über Südamerika, Ägypten bis Deutschland, Schweden, Österreich und Spanien - und halt einige Fantasy-Romane in eigenen Welten.
    Vielleicht liegt es daran, dass ich viele verschiedene Genre und auch Autoren vieler Nationalitäten lese.

    "The Scorpion Races" von Maggie Stiefvater ist übrigens auf einer fiktiven Insel angesiedelt, die sich definitiv sehr irisch/schottisch liest, was auch zu den Mythen passt, die darin verarbeitet werden. Auch dieses Setting fand ich von ihr sehr schön beschrieben.
    Was für mich dagegen gar nicht funktioniert, ist Kerstin Giers London. Das hat sich für mich nur wie eine Ansammlung oberflächlicher Klischees gelesen.

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    1. Hi! Ich glaube, dass das "USA-Problem" auch vor allem ein YA-Problem ist. Besonders bei deutscher Urban Fantasy fällt es mir oft auf, dass sie auf Biegen und Brechen in den USA spielt. Natürlich aber nicht immer!

      Kerstin Giers London, besonders in den Silberbüchern, war übrigens einer der Gründe, warum ich mal über Settings schreiben wollte, auch, wenn ich den Schwerpunkt dann auf Amerika gelegt habe, da ich auch fand, dass sich Giers London irgendwie nach einem deutschen Vorort mit ein paar Klischees zu England gemischt gelesen hat.

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    2. Ja, genau dieses Gefühl hatte ich bei Kerstin Giers London auch. Und dasselbe Problem hatte ich mit der Verfilmung der Edelstein-Trilogie - da hatte ich auch bei den Filmen überhaupt nicht das Gefühl, tatsächlich in London zu sein (zumal ihnen dann im dritten auch noch der peinliche Fehler passiert, dass das Auto rechts statt links fährt).

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  4. Hallo Kat,

    ich muss sagen, ich freue mich wirklich immer, wenn ein Setting mal nicht amerikansich ist. Klar, amerikanische Dominanz auf dem Markt und so, da hast du absolut recht, aber warum auch gefühlt 80 Prozent aller deutschen Autor*innen (vor allem im Contemporary/New Adult-Bereich)ihre Geschichten in den USA spielen lassen, ist mir schleierhaft. Erst recht, wenn das Setting nicht von Bedeutung ist und die Handlung problemlos auch in einer deutschen Stadt mit einem vielleicht bekannteren Lebensstil ablaufen könnte. Ganz abgesehen davon, dass es schließlich auch im Rest der Welt tolle Schauplätze gibt ... und es manchmal auch ganz schön ist, die eigene Heimat in einer Geschichte wiederzufinden.
    Und wie du auch sagst, als Blockade für mich selbst würde ich schon die andere Lebensweise empfinden, die dann auch erst mal wieder recherchiert werden muss.

    Witzig finde ich es ja auch immer, wenn in Apokalypsen/Dystopien, die in den USA spielen, nie erwähnt wird, was eigentlich im Rest der Welt passiert (ist). Und sonst natürlich auch die von dir angesprochene Übertragung aller Sagen, die meist tatsächlich aus Europa stammen, weil sie vor der Kolonialzeit entstanden sind, in die USA, nicht immer mit einer einleuchtenden Erklärung. Die von "Percy Jackson" ist zwar eurozentristisch, aber verständlich, in meinen Augen. Andere ... na ja. Allein dafür wäre es teilweise authentischer, einen europäischen Schwerpunkt zu legen.

    Ich muss sagen, mich stören leere Settings nicht direkt, zumindest, wenn sie keine Bedeutung für die Handlung spielen. Ich lasse meine Stories auch gerne in fiktiven Kleinstädten spielen, weil das Setting nicht wichtig ist. Umgekehrt finde ich es aber ziemlich cool, wenn die Atmosphäre eines Ortes eingefangen wird.
    Henrietta ist da ein tolles Beispiel, auch wenn ich dir zustimme, dass es nicht ganz nachvollziehbar ist, warum der walisische König in den USA begraben liegen soll. In "Wolkendämmerung" von Julia Dibbern fand ich das kalifornische Setting auch super eingefangen. Und auch sonst gibt es einige Bücher, die allein durch ihre Beschriebung bewirkt haben, dass ich an die Orte reisen wollte ("Arkadien" von Kai Meyer und "Daughter of Smoke and Bone" von Laini Taylor zum Beispiel).

    Aber ja, manchmal wünschte ich mir, mehr tolle Orte auch außerhalb der USA würden Einzug in Bücher halten. Gerne auch ungewöhnlichere.

    Liebe Grüße,
    Dana

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    1. Hi Dana. Danke für den langen Kommentar! Das mit den Dystopien ist mir auch schon öfter aufgefallen. Mir kommt dann immer der Gedanke, dass es im Rest der Welt normal zugeht, und die USA vor sich hin eskaliert, was irgendwie unfreiwillig komisch ist.

      Ein fiktives Setting muss ja nicht gleich leer sein. Bis auf wenige Ausnahmen spielen alle meine Geschichten in fiktiven Dörfern oder kleinen Städten, weil man da einfach mehr Freiheiten hat, den Ort so zu gestalten, wie die Geschichte es braucht. Aber auch ein fiktives Setting kann ja Atmosphäre haben und man kann es beschreiben und ihm Leben einhauchen. Was mich stört, sind Geschichten, in denen man mit viel Glück mal den Ortsnamen erfährt, aber nicht mehr über den Ort. Das kann ich mir dann auch beim Lesen einfach gar nicht vorstellen.

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  5. Bei amerikanischen Autoren finde ich es völlig legitim, wenn ihre Geschichten auch dort spielen, wo sie sich auskennen. Denn wie du schon sagst: lieber so als woanders aber unrealistisch. Dass deutsche Autoren ihr Setting auch so oft in die USA verlegen, obwohl es für ihre Geschichte meist absolut keinen Unterschied macht, wo sie spielt, nervt mich hingegen schon. Gerade weil sie oft gar nicht dorthin passt und man auch merkt, wenn dadurch einfach nur versucht wird, an den Erfolg der amerikanischen Geschichten anzuknüpfen. Dabei ist es mir selbst völlig egal, ob ein Buch nun an einer Highschool oder einer Realschule spielt. Wobei ich da vielleicht letzteres schon fast bevorzugen würde, weil es eben so selten gemacht wird.
    Also: Entweder das als Setting wählen, was man kennt, oder konsequent sein und es richtig umsetzen.
    Wie immer ein sehr guter Beitrag!

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    1. Hi Jacquy! Ja, legitim finde ich das auch unbedingt, ich würde nur trotzdem gern mehr Vielfalt bei den Settings sehen und mehr Wille, mal was anderes zu recherchieren und zu beschreiben. Unrealistisch wird es ja meistens, wenn kein Wille zur Recherche da ist, was ich bei AutorInnen immer sehr merkwürdig finde.

      Bücher, die an Realschulen spielen, würde ich übrigens generell gern mehr sehen, denn wenn YA in Deutschland spielt, gehen die Figuren meistens auf's Gymnasium. Hat jetzt mit dem Thema nicht so viel zu tun, aber das ist auch etwas, das mich nervt. :'D

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    2. Autoren die nicht recherchieren mögen, finde ich auch seltsam. Wenn nicht genug Interesse für ein Thema da ist, um sich umfassend zu informieren, dann sollte man auch nicht darüber schreiben.
      Ja, stimmt. Das hatte ich auch noch nie, sondern nur Gymnasien. Generell sollte einfach mehr Vielfalt in die Settings kommen, egal ob es nun ums Land oder die Schulform geht :D

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  6. Ich habe den Artikel gerade bei dir entdeckt und muss dir so zustimmen und eventuell auch noch einen draufsetzen.

    Die Sache ist nämlich, dass nicht nur deutsche Autoren das tun, sondern auch Autoren aus anderen Ländern, inklusive der USA. Als jemand der vorrangig Urban Fantasy liest, ist es wirklich auffällig, da in dem Genre knapp 90% aller Geschichten in US-Amerikanischen Städten spielen. Und ja, man sollte meinen, dass für amerikanische Autoren das einfacher sei, aber dann stellt man fest: Amerika ist groß. Und viele Autoren kommen aus mittelamerikanischen Kleinstädten. Ich habe so viele Geschichten gelesen, wo sehr ersichtlich war, dass der Autor, wenn überhaupt, an zwei Wochenenden einmal in der Stadt war. Das merkt man vor allem dann durch das fehlen von kleinen, lokal kulturellen Dingen.

    Ich bin ja ohnehin mit der Harry Dresden Reihe von Jim Butcher angefeindet, aber der Herr, der da eine sehr weißgewaschene, heteronormative Serie schreibt, hätte sich wirklich kaum einen schlechteren Handlungsort aussuchen können, als Chicago - eine Stadt mit einer großen LGBT-Szene, eine Stadt in der nur knapp 50% der Bevölkerung "kaukasisch weiß" sind. Und letzten Endes ist er damit nicht allein. US Autoren schaffen es selbst bei großen Städten, die die US Kultur so geprägt haben, dass man meinen sollte, dass zumindest grundlegende Dinge bekannt wären, vollkommen falsch darzustellen. New York und Los Angeles sind hier die ungeschlagene Nummer 1 von Städten, die so oft als Setting vorkommen und selten wirklich recherchiert sind.

    Wobei es eben auch in anderen Ländern so geht. Als jemand, der ursprünglich aus der Anime/Manga Fanfic-Szene kommt, kann ich ein Lied von japanischen Highschool-Schülern singen, die Brötchen essen, Ärzte hören, ihre ganze Zeit in europa-typischen Läden verbringen, keine anderen Hobbys als Anime kennen und natürlich japanische Höflichkeitsregeln nicht auf die Reihe bekommen.

    Es ist halt alles am Ende eine Frage der Art, wie es gemacht ist. Generell will ich selbst ja noch immer mehr sehen, was in Europa spielt, gleichzeitig aber auch andere Orte (Asien und Afrika sind doch sehr interessant). Aber da ist der Grad zur kulturellen Aneignung auch sehr schmal.

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