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Teegedanken: Wo sind eigentlich die queeren Mädchen?

Foto: Rawpixel
Es hat sich so viel verändert in den letzten zehn Jahren. 2008 musste man Romane mit queeren HeldInnen noch mühsam suchen. Ich erinnere mich an ganze Abende, die ich auf der Suche nach queerer YA auf Goodreads zugebracht habe, die Ausbeute war nicht besonders üppig. Heute ist das anders. AutorInnen wie Adam Silvera, Becky Albertalli und Mackenzi Lee legen clevere, positive und mitreißende Jugendbücher vor, mit Helden, die queer sein dürfen. Und das ist unglaublich toll. Aber die Betonung liegt dann doch auf Helden. Männlich. Die meisten queeren Jugendlichen in der neuen inklusiven Young-Adult-Literatur sind männlich. Zumindest die, die gehyped werden, allen voran natürlich Becky Albertallis Simon aus "Nur drei Worte" und Mackenzi Lees Monty aus "Cavaliersreise", die Helden der beiden in letzter Zeit wohl am meisten gelobten Jugendbücher mit queeren Helden. Ganz generell scheint der Mainstream queere Jugendliche eher zu akzeptieren, wenn sie männlich sind, und das nicht nur in der Buchwelt. Während die Verfilmung von "Nur drei Worte", "Love, Simon", eingeschlagen ist wie eine Bombe, musste "The Miseducation of Cameron Post", der die Geschichte eines lesbischen Mädchens in den 1990er Jahren erzählt, richtig darum kämpfen, überhaupt in die Kinos zu kommen, obwohl der Film einen Preis auf dem Sundance abgesahnt hat. Und da stellen sich zwei Fragen: Wo sind sie, die queeren Mädchen der Young-Adult-Literatur? Und wieso nehmen wir sie weniger begeistert an, als ihre männlichen Pendants?

QUEERE FRAUEN TAUGEN NICHT ZUM HYPE?

Eines gleich vorweg, bevor ihr mir jetzt in den Kommentaren sagt, dass es sehr wohl Young Adult mit queeren Heldinnen gibt, ich müsste doch nur mal Malinda Lo oder Robin Talley lesen. Ich weiß das. Ich habe Malinda Lo und Robin Talley bereits gelesen und natürlich gibt es durchaus auch aus großen Verlagen Romane mit queeren weiblichen Protagonisten. In meinem Regal stehen außerdem noch "Georgia Peaches and Other Forbidden Fruit" von Jaye Robin Brown und "We Could Be Heroes" von Laura Kuhn ungelesen herum, auf die ich mich sehr freue. Also klar gibt es sie, YA mit queeren Mädchen in den Hauptrollen. Aber im Vergleich? Im Vergleich sieht es einfach mager aus, nicht nur, was Protagonistinnen angeht: Die meisten queeren Figuren sind immer noch Nebenfiguren und auch da müssen weibliche Figuren leider stark vor ihren männlichen Kollegen zurückstecken. Gibt es eine queere Nebenfigur, ist diese meist männlich. Dazu kommt, wie bereits angedeutet, dass weibliche queere Helden anscheinend nicht das Potential zum Hype mitbringen und das macht mich sehr, sehr traurig. Schon vor zehn Jahren dümpelte Malinda Los zwar im Großverlag erschienenes Debüt "Ash" eher auf der Stelle, als durch die Decke zu gehen, und auch ihr neuster Roman "A Line in the Dark" von 2017, ein perfider Thriller mit queerer US-Asiatin als Heldin, hatte Startschwierigkeiten. Dasselbe gilt für Robin Talleys Horrorthriller "As I Descend" oder ihre YA-Romanze "Our Own Private Universe" oder Misa Sugiuras "It's Not Like It's A Secret". Die Bücher sind da, wenn auch nicht so zahlreich, aber sie erfahren nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie YA über männliche queere Helden.

Am Genre kann es nicht liegen, denn wie ihr seht verteilen sich die wenigen YA-Titel mit queeren Heldinnen über die verschiedensten Untergenres: Thriller, Horror, Fantasy, natürlich YA-Romanzen, wie sie im Moment sehr angesagt sind. Gehyped werden diese Bücher aber nicht. Gehyped werden unter anderem Adam Silvera, dessen Helden immer queere Jungs sind, oder eben Albertallis "Nur drei Worte", Mackenzi Lees Romane, Benjamin Alire Sáenz oder Ronan und Adam aus Maggie Stiefvaters "Raven Cycle". Versteht mich bitte nicht falsch: Ich freue mich, dass wir mittlerweile weit genug sind, das Jugendbücher mit queeren Helden überhaupt gehyped werden, bei großen Verlagen erscheinen und eine reele Chance bekommen. Wenn ich als Teenager in die Buchhandlung gegangen bin, hätte ich mich selbst ausgelacht, hätte ich gedacht: "Heute kaufe ich mir mal ein queeres Jugendbuch" - denn die gab es dort schlicht und ergreifend so gut wie gar nicht. Das ist heute anders und das ist großartig. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, dass "queer" nicht nur synonym für "schwul" oder auch "männlich und bi" steht. Und, ganz ehrlich, wir lassen queere Mädchen im Stich, wenn wir Bücher über queere Jungs hypen und es dabei belassen, als hätten wir unsere Schuldigkeit, was LGBTQ-Repräsentation angeht damit getan, und Bücher über queere Mädchen unter ferner liefen laufen lassen.

QUEERE FRAUEN SIND NISCHE

Queere Mädchen und Frauen sind leider immer noch Nische. Man findet sie in den Angeboten von darauf spezialisierten Kleinverlagen oder im Self Publishing und während ich das natürlich begrüße - damit können wir uns nicht zufrieden geben. Auch queere Frauen haben es verdient, auf dem Buchmarkt wirklich sichtbar zu werden, im Mainstream, im Großverlag, in Büchern, die auch tatsächlich in Buchhandlungen ausliegen und ein großes Publikum ansprechen. Diesen Artikel hier schreibe ich übrigens, weil ich vor ein paar Wochen mit meiner Freundin Eva über dieses Problem gesprochen habe. Eva liest im Moment so gut wie nur noch Fanfiction. Nicht nur, weil sie ihre Fandoms mag, sondern vor allem, weil sie dort positive, romantische und interessante Geschichten über queere Frauen zu lesen bekommt. Das, was sich viele queere Mädchen und Frauen von ihrer Literatur wünschen, was diese aber einfach nicht liefert. Und ist das nicht eigentlich traurig? Dass man so aktiv nach guten Geschichten über queere Frauen suchen muss? Dass LeserInnen, die dazu keine Zeit oder Resourcen haben, denn nicht jeder möchte Fanfiction lesen oder weiß, wo man Bücher aus Kleinverlagen oder von Self Publishern entdecken kann, diese Geschichten nicht finden können, weil der Mainstream sie im Stich lässt? Dass das heute, wo die Buchwelt sich selbst für die gelungene Inklusion von LGBTQ-Figuren feiert, immer noch so ist?

Wlw Romanzen zu lesen ist wie Schokolade kaufen zu wollen, in einer Welt, in der es Schokolade sehr selten zu kaufen gibt. Und momentan sind wir soweit, dass wir im Supermarkt eine Sorte haben, ganz einfache Milchschokolade, und das auch nicht immer. Und der Grund, warum ich jetzt im [...] fandom bin und bleibe, ist dass sie da auf einmal ALLE Sorten haben, dunkel, hell, vegan, mit Karamell, mit Keks, und sogar mit Nüssen.
Eva, 25 

Ein anderer Punkt, den Eva so treffend angesprochen hat, dass ich sie einfach zitieren musste, ist die Vielfalt, was Romane mit queeren Frauen und Mädchen angeht, denn obwohl wie bereits gesagt im Großen und Ganzen durchaus viele Genres abgedeckt werden, ist längst nicht für alle queeren Leserinnen etwas dabei. Wo die Jugendliteratur mit queeren männlichen Helden aus den alten Mustern ein Stück weit ausgebrochen ist, werden in Jugendromanen mit queeren Mädchen in den Hauptrollen oft noch immer dieselben Themen - und leider auch Vorurteile - platt getreten. Natürlich sind Bücher über Coming Out, die Bewältigung von Queerfeindlichkeit und dergleichen wichtig. Aber wenn von fünf halbwegs sichtbaren Romanen mit queeren Mädchen als Heldinnen vier dieselben Themen abdecken, bleibt für alle LeserInnen, die nicht gern über diese Themen lesen, nicht mehr allzu viel übrig. Und das ist schade. Denn wir brauchen nicht nur Coming-Out-Romanzen, obwohl wir auch die brauchen, und das hat die YA-Literatur mit queeren Jungs bereits begriffen: Mackenzi Lee liefert historische Romane, Adam Silvera herzzerreißende Dramen, Alex London schreibt Dystopien mit queeren männlichen Helden, Tim Floreen legt mit "Wilfull Machines" Science Fiction vor - und das alles gibt es mit weiblichen Heldinnen so gut wie noch überhaupt nicht, schon gar nicht sichtbar platziert im Mainstream- und Großverlag. Eva weißt darauf hin, dass auch viele Fandoms noch sehr hinterherhinken, was Geschichten mit f/f-Ships angeht, aber in ihrem Fandom zumindest ist die Vielfalt gegeben. Etwas, dass der Buchmarkt noch lange nicht geschafft hat.

QUEERE FRAUEN SIND UNSICHTBAR

Aber woran liegt das? Und was können wir tun? Ich möchte jetzt nicht so tun, als wüsste ich ganz genau, weshalb Bücher über queere Jungs beinahe schon als revolutionär gehandelt werden, während Bücher über queere Mädchen auf der Strecke bleiben, doch ich denke, dass es nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt ist, zu sagen, dass da sicherlich auch eine gehörige Portion Misogynie eine Rolle spielt. Denn weibliche Sexualität wird auch heute noch oft als weniger interessant, wichtig oder sogar ausgeprägt angesehen, als männliche. Und das spiegelt sich auch hier nur zu deutlich. In Becky Albertallis "Nur drei Worte" zum Beispiel gibt es eine Szene, die mir wirklich schwer im Magen lag: Simon sagt - vollkommen unreflektiert übrigens - dass Mädchen es leichter hätten, sich zu outen, weil weibliche Queerness akzeptierter sei und, weil die Leute ja Lesbenpornos toll fänden. Das mit den Lesbenpornos mal außen vor gelassen (Ich hoffe, wir sind uns alle einig, dass Fetischisierung nichts positives ist), nein, Mädchen haben es nicht einfacher, sich zu outen - weibliche Queerness ist nur unsichtbarer. Besonders Bisexualität wird oft kaum ernst genommen, aber auch lesbische Frauen treffen nicht selten auf das Problem, dass ihre Sexualität nicht anerkannt oder unsichtbar gemacht wird, dass sie als "weniger interessant" verstanden wird, als die queerer Männer. Denkt an die Berichterstattung zum CSD jedes Jahr: Wie oft kommt es vor, dass der Fokus auf den teilnehmenden Männern liegt, dass weibliche Queerness oft einfach wegradiert wird, als wäre keine einzige Frau anwesend gewesen? Aber Unsichtbarkeit ist keine Akzeptanz. Wer unsichtbar gemacht wird, wird nicht akzeptiert, er wird an den Rand gedrängt und nicht beachtet. Und das passiert auch mit Jugendbüchern über queere Mädchen. 

Ein anderes Problem, das zu dieser Ungleichheit führt, ist da auch ganz sicherlich die Objektifizierung queerer Männer - und auch das ist nichts positives, auch, wenn es dazu beigetragen haben mag, dass die Hypes um queere YA-Titel entstanden sind. Aber wenn ich schon sehe, wie "Nur drei Worte" beworben wird ("Herzchenaugen" und "Dauergrinsen") kommt mir da das Grauen, denn für viele (nicht-queere) LeserInnen ist "schwul" eben gleichzusetzen mit "niedlich" oder sogar "sexy" und "interessant, weil verboten" und auch darüber sollten wir mehr nachdenken, mehr hinterfragen und vor allem sollten wir es mehr kritisieren, wenn wir es in action erleben. Dazu kommt sicherlich auch, dass genau deshalb für viele (nicht-queere) LeserInnen kein Interesse an weiblicher Queerness in Romanen besteht. Internalisierte Misogynie, aber eben auch die Objektifizierung queerer Männer, machen Geschichten, in denen überhaupt kein Mann vorkommt, für viele LeserInnen anscheinend sofort uninteressant, egal, wovon der Roman eigentlich handelt. Vielleicht bestehen auch einfach noch Berührungsängste vieler Leserinnen, die ja nunmal den Großteil der Leserschaft von YA ausmachen, mit weiblicher Queerness. Männliche Queerness ist eine ganz andere Welt für nicht-queere Frauen, doch weibliche Queerness bietet Berührungspunkte zum eigenen Leben, die man vielleicht lieber nicht erkunden möchte.

Wer das jetzt für weit hergeholt hält, sollte sich eines vor Augen halten: Es betrifft nicht nur die LeserInnen. Schaut auch mal an, wer queere YA mit männlichen Hauptfiguren großteils schreibt: Queere Männer selbst, klar, aber auch queere Frauen und eben auch so einige nicht-queere Frauen. Und wer schreibt YA über queere Mädchen? Großteils eben queere Autorinnen selbst, die, die es am Ende auch lesen möchten. Ich finde das bezeichnend und am Ende auch sehr schade, denn diese Berührungsängste sind unnötig. Wir brauchen unbedingt mehr Geschichten über queere Mädchen und Frauen. Aber wir brauchen auch mehr Hilfe dabei, Berührungsängste und Vorurteile bei den LeserInnen abzubauen. Denn wenn Romane mit queeren männlichen Helden gehyped werden, während welche mit queeren weiblichen Helden nicht beachtet werden oder gleich gar nicht stattfinden, dann stimmt etwas nicht. Dieses Ungleichgewicht macht mir Sorgen. Und ganz egal, woran es im Endeffekt wirklich liegt, da muss ein Umdenken stattfinden. Wir dürfen weibliche Queerness in der Literatur nicht weiter aufs Abstellgleis verbannen, während wir männliche Queerness, besonders im Jugendbuch, aber auch zum Beispiel im Kino, feiern. Denn ja, es ist großartig, wie weit wir gekommen sind. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Und wir sollten beides feiern. Gebt queeren Frauen in eurer Literatur mehr Liebe, Leute. Gebt ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, lasst euch auf sie ein. Macht die unsichtbaren queeren Mädchen endlich sichtbar.

UND WIE GEHT ES JETZT WEITER?

Wir können queere Mädchen und Frauen nicht einfach hängenlassen. Wir können nicht so tun, als hätten wir Repräsentation von LGBTQ erreicht, wenn wir dabei nur das G und manchmal auch das B beachten und den Rest unter den Tisch fallen lassen. Und ja, natürlich gilt das auch für trans Figuren in der Young Adult, oder für non-binary, asexuelle oder aromantische Figuren. Das nur nebenbei, denn obwohl das nicht der Fokus dieses Posts ist, ist die Repräsentation anderer queerer Gruppen nicht weniger wichtig und vielleicht werde ich mich diesem Problem auch nochmal in einem anderen Artikel widmen. Aber heute ging es darum: Die Geschichten queerer Mädchen und Frauen dürfen einfach nicht länger als uninteressant oder unwichtig gelten, während wir Geschichten über queere Jungen und Männer in den Himmel loben. Wir können queere Frauen nicht länger unsichtbar machen oder ihre Queerness praktisch als Queerness zweiter Klasse, die nicht ganz so wichtig ist, wie männliche Queerness, behandeln. Denn hier treffen Queerfeindlichkeit und Misogynie aufeinander und hier müssen wir ansetzen, um die Jugendbuchwelt (und natürlich auch ganz allgemein die Buchwelt) auch für queere Frauen zu einem Ort zu machen, an dem sie sich wiederfinden können. Denn eine Buchwelt, die Bücher über queere Männer hyped und Bücher über queere Frauen großteils ignoriert, ist noch lange nicht am Ziel was Vielfalt und Inklusion angeht, egal, wie sehr sie so tun mag und sich auf die Schulter klopft, weil sie jetzt auch Bücher über queere Jugendliche anbietet.

Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, denn ich habe hier auf Teesalon selbst erst einen einzigen Roman mit queerer Heldin rezensiert. Mein LGBTQ-Tag ist voller Jungs und Männer. Und damit muss Schluss sein. Lasst uns mehr queere Mädchen hypen, Leute. Lasst uns YA-Romane (und natürlich auch Romane ganz allgemein) mit queeren Frauenfiguren in den Fokus rücken. Lasst uns den Leuten endlich beweisen, dass auch weibliche Queerness nichts ist, wovor man Berührungsängste haben muss, dass sie sichtbar sein darf und muss, dass sie nicht direkt uninteressanter, unwichtiger oder weniger mainstreamtauglich ist, dass sie außerhalb von Nischenverlagen und Self Publishing existieren kann, darf und muss. Ich möchte mehr positive Repräsentation von queeren Mädchen und Frauen sehen. In Liebesgeschichten. Aber auch in Thrillern, in Fantasy, in Mystery, Horror, im historischen Roman, in allen Genres. Und in einem Jahrzehnt, das Diversity und Inklusion so ruckartig und schnell vorangetrieben hat wie dieses, dürfte das doch wirklich nicht zuviel verlangt sein. 

Lesenswertes:


Kommentare

  1. Ein toller Beitrag über ein wichtiges Thema - danke dir!

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  2. Was für ein grandioser, wichtiger Beitrag – besser hätte man das Ganze gar nicht auf den Punkt bringen können. In letzter Zeit ist mir so was verstärkt in Filmen aufgefallen (aber auch generell, dass man gefühlt nur männliche Helden sieht), weil ich auch immer im Hinterkopf den Bechdel-Test habe und dann doch wieder enttäuscht das Kino verlasse, aber ich komme vom Thema ab.
    Dass gerade schwule Charaktere als "niedlich" abgestempelt werden, ist mir auch schon viel zu oft begegnet, und ich hatte den Eindruck, dass das gerade bei heterosexuellen Leserinnen auftritt. Ich musste da gerade an diesen Beitrag denken, den ich immer noch ganz großartig finde: http://schreibwahnsinn.de/somewhere-over-the-rainbow-lgbtq-in-buechern/
    Was queere Protagonistinnen anbetrifft, habe ich auch noch einiges an Lesestoff aufzuholen. Ich habe erst gestern "All Out: The No-Longer-Secret Stories of Queer Teens Throughout the Ages" beendet – dabei handelt es sich um eine Anthologie, und ich meine, fast die Hälfte der Kurzgeschichten hat lesbische oder bisexuelle Protagonistinnen. (Und unter den anderen finden sich auch trans Figuren – durchaus own voices – und eine asexuelle Protagonistin.) Außerdem steht in "Girls Made of Snow and Glass" von Melissa Bashardoust meines Erachtens eine F+F-Beziehung im Vordergrund – für die Qualität des Buches kann ich aber nicht sprechen. Und, wo wir ohnehin schon bei Mackenzi Lee sind, Felicity kriegt ja ihr eigenes Buch und Lee hat bestätigt, dass Felicity asexuell ist. Becky Albertallis "Leah on the Offbeat", das diesen Monat erscheint, hat ja auch eine bisexuelle Protagonistin – und anscheinend soll sie sich in ein Mädchen verlieben.
    Im Großen und Ganzen ist die Lage natürlich immer noch mau, aber ich hoffe, dass sich auch hier zumindest langsam ein Bewusstsein entwickeln kann. Oder zumindest muss ich mir den Optimismus bewahren. :')

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    1. "Außerdem steht in "Girls Made of Snow and Glass" von Melissa Bashardoust meines Erachtens eine F+F-Beziehung im Vordergrund "

      Jein. Es gibt eine F/F-Beziehung in Girls Made Of Snow And Glass, aber im Hintergrund. Die eigentliche Beziehung ist zwischen Mutter(figur) und Tochter(figur).

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    2. Ah, tut mir leid. Danke für's Ergänzen! <3

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    3. Danke für den langen Kommentar und den Link, Isabella! Ich habe auch Hoffnungen für den neuen Mackenzi-Lee-Roman und "Leah on the Offbeat", dass die vielleicht etwas ins Rollen bringen, aber aus Erfahrung rechne ich eigentlich nicht damit. Ich würde mich aber natürlich gern überraschen lassen! :D

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  3. Danke für den Beitrag! Mich stört das auch schon lange - und ich finde, du hast die Gründe gut erklärt. Andere kann ich mir auch nicht denken.

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    1. Vielen Dank. Dein Tweet zu dem Thema war ja der Grund, warum ich den Artikel überhaupt endlich fertig geschrieben habe, also auch danke dafür! <3

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  4. Toller Beitrag! Danke dafür.
    Das ist mir auch schon aufgefallen. Ich habe das Gefühl, dass das Fernsehen da etwas weiter ist. Zumindest fallen mir da mehr Beispiele von Beziehungen zwischen Frauen ein und ich glaube, dass Ungleichgewicht zwischen queeren Frauen und Männern ist nicht ganz so groß. Aber auch bei Filmen herrscht, wie von dir gut beschrieben, eine große Lücke. Danke für de Tipp mit "The Miseducation of Cameron Post" das Buch wandert auf meine Leseliste.

    Ich könnte mir noch einen weiteren Grund vorstellen, warum es im YA Bereich mehr Bücher über queere Jungen, als über queere Mädchen gibt: Die meisten Bücher in dieser Altersgruppe werden von Frauen geschrieben und von Mädchen gelesen. Der Großteil der YA Autorinnen ist außerdem noch weiß und heterosexuell. Ich vermute, dass es diesen Autorinnen leichter fällt sich in die Perspektive eines queeren Jungen zu versetzen, weil sie es leichter finden die Anziehung zu Männern zu beschreiben, als zu Frauen. Sie denken dann, fälschlicherweise, dass sie queere Jungs gut schreiben können, "weil sie ja wissen, wie es ist sich zu Männern hingezogen zu fühlen."

    Ich suche auch nach mehr Büchern mit queeren Protagonistinnen. "Ash" habe ich letztes Jahr gelesen und fand es nicht so toll. Dann lese ich noch die Bücher von Kameron Hurley. Das ist eine bisexuelle Adult SFF Autorin, die in ihren Büchern queere Protagonistinnen als Hauptfiguren hat. Allerdings glaube ich nicht, dass ihre Bücher was für dich wären. Ansonsten liegen noch ein paar weitere Bücher auf meinem SuB und ich hoffe die in nächster Zeit zu rezensieren. Dabei ist auch "Reign of the Fallen" von Sarah Glenn Marsh. Das ist ein YA-Fantasy Roman mit einer bisexuellen Protagonistin und das ist ownvoices.

    LG
    Elisa

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    1. Danke für den langen Kommentar! Die Theorie finde ich auch ziemlich einleuchtend, auch, wenn es leider ja oft doch nicht so ist, dass die Repräsentation dann auch gut ausfällt, auch, wenn die Autorinnen glauben, sich einfühlen zu können. :/ Aber ein weiterer Grund ist das sicherlich auch.

      ich habe mir eben "Reign of the Fallen" nochmal genauer angesehen und jetzt möchte ich das Buch unbedingt haben, danke für den Tipp!

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  5. Hi! Danke für diesen guten und sehr wichtigen Beitrag! Beim Lesen war ich grad ganz schockiert, dass „The Miseducation..“ schon in die Kinos [wahrscheinlich nur in die Amerikanischen, oder?] gekommen ist! Schade, dass der Film so wenig Aufmerksamkeit bekommt. :( Das Buch steht schon länger auf meiner TbR-Liste. Genau wie „Ash“! Das habe ich vor Kurzem im Londoner LGBTQ+ Bookshop „Gay‘s the Word“ [sehr zu empfehlen, btw!] entdeckt. <3
    Mir ist auch schon aufgefallen, dass in meinem Bücherregal die Auswahl an F/F-Beziehungen eher gering ausfällt und mir vorgenommen, meinen Horizont da schnellstmöglich zu erweitern - Glücklicherweise liefert Goodreads ja einigige interessante Listen mit Inspirationen! :)
    Ich bin gerade erst über deinen Blog gestolpert, deshalb weiß ich nicht, ob du es schon gelesen hast, aber falls du auch nach F/F-Buchtipps suchst, könnte ich dir die Nevernight-Reihe von Jay Kristoff empfehlen! Die hat nämlich auch eine queere Protagonistin [aber pssst, erst ab dem zweiten Band! :D] und geht richtig gut zu hypen. :)
    Beste Grüße, Isa.

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    1. Ob "Cameron Post" schon läuft, weiß ich gar nicht. Das letzte, das ich mitbekommen hatte war, dass sich endlich eine Firma die Verbreitungsrechte an dem Film gesichert hat, sodass er überhaupt in die Kinos kommen kann. Aber das gilt vorerst tatsächlich nur für den amerikanischen Raum. Ich hoffe, dass wir den Film aber auch bald zu sehen bekommen.

      "Nevernight" habe ich noch ungelesen auf dem Reader, danke für den Tipp. :D

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    2. Oh, sorry! Dann hab ich das falsch verstanden. /o\ Ich hatte nur in Erinnerung, dass ich irgendwann mal ein Bild dazu gesehen habe, das aussah, als wäre es aus einem Trailer. Wie ich aber gerade nach kurzer Recherche feststellen musste, war das nur aus einem Interview - Oops. :D Nichtsdestotrotz hoffe ich auch sehr, dass wir ihn möglichst bald im Kino sehen werden können und dass er die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. <3

      Aber gerne doch! :)

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  6. Was für ein unsagbar wichtiger, fantastischer, ergreifender, bewegender Artikel. Vielen, vielen, vielen Dank dafür und ja, bitte, lasst uns das unbedingt angehen. Was Rezensionen betrifft, aber in meinem Fall auch, was das Schreiben dieser Bücher selbst angeht. ♥
    Schön, über dich gestolpert zu sein. Hier verweile ich gern!

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    1. Vielen Dank! ♥ Ja, auch beim Schreiben will ich mir das selbst mehr vornehmen. Meine queeren Frauen sind zwar da, aber eigentlich immer nur Nebenfiguren und da musste ich mir mit dem Artikel auch ein Stück weit selbst den Spiegel vorhalten.

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  7. Liebe Kat,

    was für ein schöner und treffender Artikel, auf den ich gerade durch Elena (All meine Träume) gestoßen bin. Ich bin selbst queer und als ich vor ein paar Jahren anfing nach Büchern in diesem Bereich zu suchen, war das zunächst etwas frustrierend. Ich kannte die richtigen Verlage noch nicht, wusste nicht ob es überhaupt Bücher mit f/f Paarung gibt und als ich dann welche fand, war es natürlich nicht das Genre (Fantasy, Science Fiction) das ich gerne lese (die schreibe ich jetzt eben selbst). Inzwischen habe ich den Dreh natürlich raus und weiß wo ich suchen muss (der englischsprachige Markt ist da insgesamt ergiebiger), aber für Neueinsteiger ist es wirklich nicht ganz leicht.

    Aus Autorinnensicht kann ich nur sagen, dass mindestens die Hälfte meiner LeserInnen heterosexuelle Frauen und Männer sind, die sich an der Geschichte genauso sehr erfreuen, wie bei einem heterosexuellen Protagonistenpaar. Die einzige wirklich negative Erfahrung habe ich bisher mit einer einzelnen Literaturagentur gemacht, die sehr abfällig und persönlich werdend auf mein damaliges Manuskript reagierte. Diese Reaktion hat mir klargemacht, wie rückständig das Denken in der Buchbranche leider oft noch ist – zum Glück war das aber ein Einzelfall und die Agentur eher ein ein-Mensch-Unternehmen. Allgemein sehe ich aber eine Besserung, gerade auch, weil BloggerInnen öffentlich über das Thema sprechen und ihr Interesse den Verlagen so nicht verborgen bleibt. Daher danke für diesen Artikel. Ich bin sicher er wird dazu beitragen, dass auch das L und T in der Buchbranche weiter wachsen werden. :)

    Herzliche Grüße,
    Sam

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    1. Vielen Dank, Sam! Es ist schön zu hören, dass deine LeserInnen deine Geschichten so gut annehmen, das macht Hoffnung. Das mit der Agentur ist nicht so schön, aber ich hoffe, dass die positiven Beispiele in der Mehrzahl sind.

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  8. Liebe Kat,

    ich bin noch ganz sprachlos nach diesem wunderbaren, wahren, wichtigen und sehr treffenden Beitrag! Mir geht es da ähnlich wie dir, die Recherche nach (Jugend-)Büchern mit queeren weiblichen Protagonistinnen (oder auch Nebencharakteren!) war für mich am Anfang auch wirklich schwierig, bis ich irgendwann wusste, wie ich danach suchen muss. Trotzdem ist das Ergebnis dieser Suche auch heute noch oft frustrierend und ich freue mich wie ein Schnitzel über jedes Buch mit queeren Frauen, das sich NICHT nur dem Coming Out etc. widmet, sondern ein ganz "normaler" Thriller, Krimi, Fantasy- oder SciFi-Roman ist, ein typisches Contemporary Young Adult Buch oder sonst was, ohne sich auf die Sexualität als Problem zu stürzen. Genau diese Schwierigkeit hat mich auch dazu bewogen, meinen Blog "queerBUCH" zu gründen, der sich besonders auf queere weibliche Charaktere fokussiert hat, sogar ganz unabsichtlich.
    Du sagtest ja, du weißt, dass es solche Bücher auch gibt und willst das gar nicht hören, aber falls du noch Anregungen suchst, sind mir spontan noch Autorinnen wie Carrie Mac, Nina LaCour, Anne Freytag, oder Antje Wagner eingefallen, in deren Büchern queere Mädchen eine Selbstverständlichkeit sind. Oder Deborah Ellis, Marieke Nijkamp, Patrycja Spychalski , Nadine Roth, Emma Donoghue und Jodi Picoult, die alle mindestens ein Buch mit selbstverständlich queeren Mädchen und Frauen geschrieben haben. Ich würde mir genau wie du viel mehr Hype für deren tolle Geschichten wünschen und unterstütze das, so gut ich kann.
    Was bleibt mir noch zu sagen? Ein ganz großes DANKE für diesen Beitrag. Mein Herz hat sich beim Lesen überschlagen vor Zustimmung. :)

    Viele liebe Grüße,
    Hannah

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